In einer Investitionsumfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. vom Frühjahr 2008 gaben bereits 37% der befragten Unternehmen in der Region D-A-CH an, auf das neue SAP-Kernprodukt SAP ERP 6.0 zu setzen.
Heuer befassen sich nach unserer Einschätzung weitere 25% der österreichischen SAP-Anwenderunternehmen mit einem Umstieg. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die auslaufende Standardwartung der im Einsatz befindlichen Systeme. Es gibt allerdings drei weitere gute Gründe für einen Releasewechsel.
Mehr Zeit für Kernprozesse
Das Kernrelease 6.0 basiert auf der SAP-NetWeaver-Plattform. Sämtliche Geschäftsprozesse lassen sich somit durchgängig abbilden. Zudem ist das Release SOA-fähig und erlaubt damit, einzelne IT-gestützte Prozessschritte aneinanderzureihen und komplette Geschäftsprozesse zu modellieren.
Mit der Verlängerung der Standardwartung für dieses Release bis 2013, die auch durch die Einflussnahme der DSAG verwirklicht werden konnte, erhalten Unternehmen nicht nur einen höheren Investitionsschutz. Sie haben dadurch auch mehr Zeit, den für ihr Unternehmen optimalen Zeitpunkt für ein Upgrade-Vorhaben zu bestimmen. Mit Hilfe optionaler Erweiterungspakete, so genannter SAP Enhancement Packages, können Unternehmen künftig ihre Kernlösung schneller und ohne großen Aufwand aktualisieren und funktional erweitern. Damit sind sie in der Lage, sich aus dem jährlichen Wettrennen der vergleichsweise aufwändigen Releasewechsel zu verabschieden.
Systemkomplexität reduzieren
Mit der neuen Plattform sind Unternehmen künftig in der Lage, ihre Geschäftsprozesse flexibler und standardisiert abzubilden. So können diese zügig technisch umgesetzt, Stand-alone-Systeme integriert und innerhalb einer Standardumgebung mit vordefinierten Szenarien schnell implementiert werden. Wir bei der Getzner Gruppe nutzen die neue SAP-Technologie beispielsweise, um vorerst in einem Teilbereich die Betriebsdatenerfassung (BDE) in unser SAP-System zu integrieren. Damit können wir unsere Prozesse im Fertigungsbereich von der Planungsebene bis zur Steuerungs- und bei Bedarf auch bis zur Maschinenebene durchgängig realisieren.
Die Integration der Daten auf der Fertigungsebene in das SAP-System hat für uns einen maßgeblichen Vorteil: Unser komplettes Master-Data-Management erfolgt in unserem zentralen SAP-System, in dem sämtliche Stammdaten, wie beispielsweise Material- und Personalstamm oder Fertigungsaufträge ohne Schnittstellen verwaltet werden. Durch den Einsatz von NetWeaver können wir die Komplexität unserer heterogenen IT-Systemlandschaften reduzieren. Die Option, über das neue Release Fremdsysteme zu integrieren, ohne dabei eine aufwändige Schnittstellenversorgung betreiben zu müssen, ermöglicht uns den Betrieb eines zentralen ERP-Systems.
Kern flexibel erweiterbar
Neben der hohen Integrationsfähigkeit von 6.0, ist als weiterer Vorteil eines Umstieges die neue Release-Strategie zu nennen. Früher war die Migration auf ein höheres Softwarerelease für Anwenderunternehmen immer mit einem großen personellen und finanziellen Aufwand verbunden - vergleichbar mit einem Rundumschlag -, da sie sich über das gesamte System erstreckten.
Das hat sich mit der "Enhancement-Strategie" geändert. Die meisten Releasewechsel werden heute als rein technische Upgrades durchgeführt. Neue Funktionen werden erst in einem zweiten Schritt aktiviert. Mit Hilfe der Enhancement-Packages sind Unternehmen darüber hinaus in der Lage, zur Verfügung stehende Funktionen nach Bedarf einzuspielen und nicht benötigte Erweiterungen auszusparen. Mit der Abkehr von den herkömmlichen Upgrade-Zyklen können Anwenderunternehmen ihre Geschäftsprozesse individuell gestalten. Damit lässt sich die Bedienbarkeit des Systems nachhaltig verbessern. Nicht zuletzt können dadurch Kosten gesenkt, Entscheidungsprozesse vereinfacht sowie der Kern der SAP-Lösung langfristig stabil gehalten werden.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 