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Strategien

RTT Konferenz

3D im Walzertakt

Welche Trends sind bei Visualisierungstechnologien zu erwarten? Diese Frage beantwortete Mitte April die 9. RTT Konferenz in der Wiener Hofburg.

Dunja Koelwel

Lamborghini am digitalen Reisbrett

Die Automobilindustrie zeigt den übrigen Branchen mal wieder die Rücklichter, denn wie in vielen Bereichen der Weiterentwicklung von ITK-Technologien greift man dort am schnellsten zu, wenn sich neue Möglichkeiten zeigen. Dieses Fazit ließ sich Mitte April anlässlich der 9. RTT Anwenderkonferenz in der Wiener Hofburg durchaus ziehen. Denn die Anwendungsbeispiele aus dem Reich der Visualisierung, die Autobauer wie Audi, Porsche und Lamborghini vorführten, dürften wohl Männerträume wahr werden lassen und zeigten den rund 360 Teilnehmern, welches Potenzial für die Bereiche Marketing, Sales und Entwicklung möglich sind.

Lamborghini vor der Hofburg

Via Touchscreen fuhren die neuesten Modelle zum Beispiel durch reale Landschaften und ließen sich dabei in Echtzeit nach den Wünschen der Kunden ändern: Farbe, Radkappen oder Innendesign ließen sich hier ebenso rasant verändern wie die Geschwindigkeit, mit denen sich die virtuellen Vorführwägen in die Kurven legten. "Visualisierung kann Technik für Nichttechniker erklärbar machen", so die Erklärung der Autobauer für ihre Begeisterung für Visualisierungstechniken. Weitere Einsatzmöglichkeiten, mit denen etwa Audi bereits experimentiert, sind unter anderem visualisierte Manuals, die künftig das gedruckte Handbuch ersetzen sollen. Reifenpanne in der Wüste? Kein Problem, denn der Boardcomputer zeigt im 3D-Video, wie man selber Hand anlegt. Geplant sind außerdem virtualisierte Verkäuferschulungen und weitere Optionen des Kundenservices.

Visualisiertes Handy

Aber auch Handyhersteller Sony Ericsson zeigte, wie Visualisierungstechnologien den Entwicklungsprozess deutlich vereinfachen können. Denn in dem schwedisch-japanische Unternehmen arbeiten Design- und Entwicklungsteams über Zeitzonen und Kontinente verteilt. Markiert etwa das Designteam in den USA im Rahmen der Entwicklung eines neuen Handymodells im Collaboration-Bereich des Unternehmens auf den 3D-Zeichnungen und Bildern einen fraglichen Bereich, kann die Abteilung in Tokyo dies ebendort auf dem Bild kommentieren, Kollegen in Lund dies weiter ausarbeiten und in den USA werden die Kommentare wiederum umgesetzt. Nahtlos greifen hier die einzelnen Entwicklungsschritte ineinander ein und machen im Bild erklärlich, was mit Worten oft nur schwer zu fassen ist.

„Die Integration von Prozessen und Darstellungsformen ist einer der Trends der kommenden Jahre.“ - Ludwig Fuchs, Vorstandsmitglied und Gründer von RTT

Auch Sportbekleidungshersteller Adidas setzt mittlerweile auf 3D-Technologien und konnte so die Zeit von der Entwicklung bis zum Verkaufsregal um fast drei Monate senken. Lebensechte Darstellungsformen lassen zum Beispiel genau simulieren, wie sich ein Schuh im Einsatz zeigt und virtuelle Bildgalerien, die es jedem Verkäufer ermöglichen, Saisonware nach Lust und Laune zu drehen und wenden und die Farben zu verändern, machen das manuelle Verschicken von Samples bei Adidas mittlerweile entbehrlich. Dass dies bei jährlich etwa 100.000 neu entwickelten Produkten sich zudem auch in deutlich geringeren Kosten auswirkt, muss man dabei nicht näher erklären.

Das zweitätige Spektakel, zu dem etwa 360 Medienfachleute und Designer aus der ganzen Welt dem Ruf von Realtime Technologies, einem Anbieter von 3D-Echtzeit-Visionalisierungstechnologien und Dienstleistungen, gefolgt waren, zeigte damit deutlich, wohin der Weg führen wird: Nämlich in Richtung des Zusammenwachsens von 3D-Technologien und bewegtem Bild unter Anbindung der verschiedensten Datenbanken.

"Die Integration von Prozessen und Darstellungsformen" ist deswegen auch laut Ludwig Fuchs, Vorstandsmitglied und Gründer von RTT, einer der Trends der kommenden Jahre. Ein weiterer Trend ist laut Fuchs aber auch die so genannte ‚Applesierung' der Produkte, das bedeutet, dass Usability einen im er größeren Stellenwert zugeschrieben bekommt.

3D ist also bereits jetzt aus dem Design-Prozess nicht mehr wegzudenken, die Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb lassen auf spannende Facetten hoffen.

www.rtt.at

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