Am Anfang stand das Bedürfnis nach Freiheit. Linus Torvalds, Informatikstudent und Freidenker, wollte ein funktionsfähiges Betriebssystem entwerfen, um effizienter mit den Unix-Computern der Universität Helsinki umgehen zu können. Da er um Gleichgesinnte in diversen Newsgroups wusste, stellte er seinen ersten Quelltext mit nicht viel mehr als 200 kB ins Internet und wartete auf Mitentwickler. Das geschah im September 1991 unter dem Motto "Just vor fun".
Die Resonanz war überraschend groß. Offenbar hatte die Programmierer-Community auf eine solche Möglichkeit gewartet. Am Anfang stellte Torvalds sein kleines Betriebssystem noch unter seine eigene proprietäre Lizenz, was sich aber bald ändern sollte. Im Januar 1992 gab Torvalds sein mittlerweile Linux genanntes Betriebssystem unter der GNU-Lizenz frei, was es für eine Menge von Programmieren attraktiv machte. Im Laufe des Jahres 1992 wurde Linux unter Zutun von Hunderten freien Spezialisten enorm weiterentwickelt und kam im Dezember in der ersten Version als praktikables Betriebssystem unter der GNU General Public License heraus. Torvalds: "Das beste, was ich getan habe, war, Linux unter GNU zu stellen."
Das Betriebssystem von Torvalds begann bald, in seiner Popularität jenes des GNU-Initiators Richard Stallmann auszustechen, was zum ersten Namensstreit um Linux führte. Am Ende setzte sich dann Linux durch.
Durch die Mitarbeit von mittlerweile Tausenden Programmierern auf der ganzen Welt erlangte Linux eine enorme Bedeutung, und zwar eine so große, dass sich die bisherigen Monopolisten, vor allem Microsoft, verunsichert sahen. Die auch heute noch teilweise recht herzhaft geführte Kampagne gegen Linux setzte bald ein, da sich Microsoft durch die freie Software bedroht erachtete. Es kam zu Vergleichsstudien, warum Linux vor allem an Serversystemen Schaden anrichten würde, und den großen Firmenkunden redet Microsoft Linux bzw. Open Source bis heute aus.
Die Linux-Community trug die Anschuldigungen gelassen in der Überzeugung, einfach das bessere, stabilere und vor allem ein freies System anzubieten, auf das die Welt offenbar gewartet hatte. So kam es im Laufe der Zeit dazu, dass sich die großen Konzerne eher mit dem Phänomen Linux abzufinden begannen und das Konzept Open Source in ihre eigenen Anwendungen einzubauen begannen, so etwa IBM oder Novell.
Unterdessen war Linux bereits so mächtig geworden, dass sich Torvalds auch um die Rechte kümmern musste. Ab 1992 versuchten einige Personen bzw. Firmen, sich die Rechte an Linux zu sichern, allerdings vergebens. Torvalds gründete den Non-Profit-Verein "Linux International", der die Markenrechte erhielt. Umgetauft zu "Linux Mark Institute", betreibt die Einrichtung heute das Inkasso der Lizenzgebühren für kommerzielle Linux-Anwendungen. Die nicht-kommerzielle Nutzung von Linux ist nach wie vor frei.
Torvalds sieht heute sein Projekt, das 1992 zum Durchbruch gelangte, als "zufällige Revolution", beharrt aber darauf, dass er aus den Lizenzgebühren keinen Cent sehen würde. Alles ginge in seiner Organisation auf, die das Geld hauptsächlich für Anwaltsgebühren rund um Markenstreitigkeiten und Lizenzangelegenheiten ausgebe.
Andere Firmen verdienen mit Linux aber sehr wohl Geld. Zu ihnen gehören neben Novell oder Red Hat auch Riesen wie IBM und Hewlett-Packard. Bei diesen Firmen wird Linux kommerziell für die verschiedensten Anwendungen weiter entwickelt und die entsprechenden Lizenzen dafür werden vermarktet. Gleichzeitig unterstützen die Konzerne aber freie Programmierer oder Organisationen wie die Open Source Development Labs. Die ganz genaue Grenze, bis zu der ein Linux-Paket vor allem im Firmeneinsatz noch "frei" oder schon lizenzpflichtig ist, können nur Software-Anwälte genau bestimmten, die im Übrigen auch schöne Profiteure am Linux-Boom geworden sind.
Linus Torvalds lebt heute in Oregon/USA. Nach dem Linux-Erfolg versuchte er sich bei der Firma Transmeta an der Entwicklung eines besonders stromsparenden Prozessors - leider ohne Erfolg. Heute ist Torvalds beim Non-Profit-Konsortium Linux Foundation angestellt und beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung und der Verbreitung von Linux und Verbesserungen im Kernel. Die Foundation wird aus Beiträgen großer IT-Konzerne gespeist.
Nach mittlerweile 16 Jahren hat Linux einen beeindruckenden Siegeszug hinter sich, der mit kaum einem anderen freien Betriebssystem vergleichbar ist. Heute gehört es jedenfalls zum Industriestandard und hat nicht wenige Firmen zum kompletten Umkrempeln ihrer Lizenzmodelle gezwungen oder andere wie Novell oder Sun Microsystems, dem Thema Open Source fast ihr gesamtes Geschäftsmodell unterzuordnen.




1/2012
8/2011
7/2011


