Schon wieder neue Abkürzungen zum Merken, um im Mobilfunksektor am Ball zu bleiben, (um es in der Sprache der Euro 2008 auszudrücken). Die dritte Mobilfunkgeneration bringt uns nach UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) und HSPA (High Speed Packet Access) mit HSDPA und HSUPA (für Downlink und Uplink) jetzt HSPA+ und anschließend sogar noch LTE (Long Term Evolution), das als 3,9. Generation eingestuft wird. Danach wird es noch schneller, denn die Experten arbeiten gar schon an der 4. Mobilfunkgeneration NGMN (Next Generation Mobile Network). Aber bis dahin dauert es noch eine Weile.
Was knapp bevorsteht, ist der Launch von HSPA+. Anfang Mai hat die mobilkom gemeinsam mit dem im April 2007 gegründeten Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN) zu einer Premiere geladen: Zur weltweit ersten Live-Demonstration von HSPA+. Dabei konnten in der mobilkom Zentrale in Wien-Leopoldsstadt mit einem Prototyp-Handy, das als Modem für einen Laptop diente, ein Video mit durchschnittlich 8,9 Mbit/s und Spitzenwerten von 9,7 Mbit/s übertragen werden. Das liegt knapp am theoretischen HSPA+ Maximum von 10,1 Mbit/s. Über die gelungene Präsentation freuten sich Hannes Ametsreiter, A1-Marketingvorstand und Dietmar Appeltauer, CEO von Nokia Siemens Networks.
Durch den Einsatz von 64-Quadraturamplitudenmodulation (QAM) sollen die Datenraten von HSPA+ theoretisch auf bis zu 21 Mbit/s gesteigert werden. Setzt man zusätzlich bei Sender und Empfänger das Mehrantennensystem MIMO (Multiple Input, Multiple Output) ein, sind sogar 42 Mbit/s rechnerisch möglich. Die kommerzielle Einführung von HSPA+ ist Ende 2008/Anfang 2009 realistisch, schätzt man bei der mobilkom.
Private vor Businesskunden
Der mobile Breitband-Boom erfordert rasches Vorgehen. Denn die Konsumenten wollen vor allem eines: Schnelle Datenübertragung. Ende 2007 nutzten laut einer Erhebung von Arthur D. Little 621.000 Österreicher (6,3% der Bevölkerung) mobiles Breitband, rund die Hälfte davon sind Kunden bei der mobilkom. Damit ist Österreich Spitzenreiter in der EU, an zweiter Stelle folgt Italien mit 2,3%. In Deutschland nutzen gar nur 1,5% der Bevölkerung mobiles Breitband.
Eine stabile Internetverbindung sowie Schnelligkeit sind den Usern wichtig. "Der Schwerpunkt liegt zur Zeit bei Privatkunden", betont Reinhard Zuba, Marketing-Bereichsleiter bei der mobilkom. 78% des Gesamt-Datenvolumens bei der mobilkom geht auf das Konto von Privatkunden. Businesskunden sehen mobiles Breitband vor allem als Ergänzung. "Am meisten werden im Businessbereich zur Zeit Datenkarten benutzt", so Zuba, über Replacement-Verträge werde den Businesskunden ermöglicht, immer state-of-the art zu bleiben. "Wir sehen aber auch ein hohes Wachstumspotenzial im Businessbereich", stellte Zuba fest.
Bis Ende 2008 wird hier ein Zuwachs von rund 12% erwartet. Gerade noch rechtzeitig vor der Fußball-Europameisterschaft wurde Mitte Mai von der mobilkom und dem Hardware-Hersteller Huawei auch das erste DVB-T-fähige Modem präsentiert, das mobiles Fernsehen erlaubt. Die sechs Sender ORF1, ORF2, ORF Sport, ATV, 3Sat sowie Puls4 können damit empfangen werden. Die DVB-T-Netzabdeckung liegt laut mobilkom bei derzeit 80%.
Zukunft: LTE und NGMN
HSPA+ ist erst der Anfang. Die Schnelligkeits-Spirale wird sich weiter atemberaubend nach oben drehen. Während HSPA+ bereits von der 3GPP (3rd Generation Partnership Project) standardisiert wurde, steckt LTE (Long Term Evolution), die Nachfolgetechnologie, noch im Standardisierungsprozess. LTE soll Datenraten von weit über 100 Mbit/s im Downlad und bis zu 50 Mbit/s im Upload erlauben. Bei LTE werden MIMO (Multiple Input Multiple Output), ein intelligentes Mehrantennensystem, und OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplex), eine äußerst bandbreiteneffiziente Funktechnik, eingesetzt. Neben der verbesserten Schnelligkeit garantiert die MIMO-Technologie auch eine Verbesserung in punkto Interferenzen und damit eine verbesserte Verbindungsqualität. Die Einführung von LTE am Markt ist für 2010 bis 2012 angedacht.
Und schon arbeiten die Telekom-Netz-Experten an einer weiteren Innovation: Der Entwicklung der 4. Generation. Sie steht unter dem Motto "always best connected" und "beyond 3G". Mit den 4G-Systemen sollen den Endusern Bandbreiten von bis zu 1Gbit/s im Nahbereich und bis zu 100 Mbit/s im Fernbereich zur Verfügung stehen. Die 4G-Aktivitäten werden von den weltweit größten Mobilfunkanbietern, von Technologieausrüstern und Forschungseinrichtungen unter der Bezeichnung Next Generation Mobile Networks (NGMN) vorangetrieben. Zu den Gründungsmitgliedern gehören T-Mobile, Vodadone, Orange, China Mobile, KPN und NTT DoCoMo.





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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 