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Netz & Telekom

Firmenporträt

Fünf Jahre "Drei" in Österreich

Vielfach totgesagt, mancherorts belächelt, auf jeden Fall der kleinste Mobilfunkanbieter in Österreich: "Drei" feierte im Mai seinen fünften Geburtstag und freute sich über das Jubiläum. Drei-CEO Berthold Thoma, seit der Gründung mit dabei, ist weiter voll Elan: "Fünf Jahre waren wir die Innovationslokomotive, das soll so bleiben".

Christine Wahlmüller

„Der Massenmarkt der Breitband- Kommunikation wird langfristig mobil werden.“ - Berthold Thoma, CEO

Eines muss man anerkennen: Trotz einer langen Durstrecke hat Hutchison in Österreich nicht aufgegeben, sondern mit sehr hohen finanziellen Investitionen versucht, als vierter Mobilfunkanbieter am Markt Terrain zu gewinnen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das jetzt bereits in sein sechstes Jahr hineingeht.

Die UMTS-Lizenz wurde von Hutchison Whampoa zwar schon im Jahr 2000 erworben, aber erst im Mai 2003 nahm "3" dann in Österreich den operativen Betrieb auf. Verändert hat sich seither an der Zahl der Mitarbeiter wenig, "wir waren am Anfang 450 und sind es jetzt auch", wie Drei-CEO Berthold Thoma vor Journalisten anlässlich des Fünf-Jahres-Firmenjubiläums betonte.

Die Fluktuation der Mitarbeiter war jedoch sogar für die Telekom-Branche einigermaßen hoch und der Preis für den gewagt-innovativen Einstieg als lange Zeit kaum geschätzten UMTS-Anbieter. Prominenteste Job-Hopperin war Alexandra Reich, die von Juni 2005 bis Ende Mai 2007 als Marketing-Vorstand versuchte, den ehrgeizigen UMTS-Anbieter in Österreich auf Vordermann zu bringen. Seit einem Jahr ist sie nun als COO des Schweizer Telekom-Anbieters sunrise für das Privatkundengeschäft verantwortlich.

Vor drei Jahren hatte "3" rund 300.000 Kunden und laut Daten der Regulierungsbehörde RTR einen Marktanteil von rund 3,7 Prozent. Jetzt, Anfang Mai 2008, freute sich "3" über den 555.555 Kunden. "3" hat enorm vom Boom bei mobilem Breitband profitiert. "Ein Viertel unserer Kunden sind mobile Breitband-Kunden", gab Thoma auf Anfrage bekannt. "Österreich ist in punkto Mobiltelefonie ein Referenzmarkt geworden, ich kenne auch nur wenige Länder, wo mehr HSDPA genutzt wird", bemerkte Thoma, der sich beeilte zu versichern: "Wer künftig mobiles Internet nicht nutzt, wird nicht mehr zur Informationsgesellschaft gehören".

Stolz auf Netzqualität

Basis für die HSDPA-Versorgung ist ein 3G-Hochleistungsnetz, "damit bieten wir heute den Österreichern eine theoretische Erreichbarkeit von 94%", stellte der Drei-CEO fest, der auch auf die Multifunktionalität des Handys hinwies: Heute würde man nicht nur mobil telefonieren, sondern mit dem Handy auch im Internet surfen, am Handy fernsehen, chatten oder die neuesten Musikvideos downloaden. "Wir haben das größte HSDPA-Netz des Landes und konnten viele Gemeinden als erster und bisher einziger Betreiber mit Breitband versorgen", behauptete Thoma.

Allein in den Netz-Ausbau im ländlichen Bereich wurden 300 Mio. Euro investiert. Die künftige Strategie liegt auf der Hand: "Wir werden weiter mobiles Breitband forcieren", stellte Thoma klar. Hier ist das Volumen seit rund einem Jahr sprunghaft angestiegen. "Der Massenmarkt der Breitband-Kommunikation wird langfristig mobil werden", prognostizierte Thoma. Der Vorteil dabei: Mittels Datenkarte oder USB-Stick sei der Einstieg bei mobilem Breitband sofort möglich, bei Festnetz-Breitband müsse man mit zwei bis drei Wochen Wartezeit rechnen.

Innerhalb der "3"-Gruppe sei das Roaming "total abgeschafft", zu anderen Ländern wurde es erheblich günstiger gemacht. "Unser Ziel ist es, die Roaming-Gebühren auch für Daten innerhalb Europas zu senken, denn die Informationsgesellschaft kann sich nur entwickeln, wenn diese Schranken fallen", betonte Thoma.

Start für DVB-H

Als Treiber für mobiles Breitband am Privatkundenmarkt sieht 3 die Entwicklung von Mobile TV (Fernsehen am Handy), das bei Österreich kleinstem Mobilfunkanbieter bereits seit 2003 im Portfolio integriert ist. Heute werden allen Drei-Kunden (lt. Eigenangabe) 37 TV- und Radiokanäle angeboten. Zur Zeit wird auf Hochdruck am Launch von DVB-H (Digital Video Broadcasting - Handhelds, zu deutsch Digitaler Videorundfunk für Handgeräte) gearbeitet.

Die neue Technologie soll bis zur Fußball-Europameisterschaft Anfang Juni verfügbar sein, "DVB-H wird sich jeder leisten können, wir werden dazu auch eine Auswahl günstiger Handys anbieten", versprach Thoma. Über DVB-H sollen 3-Kunden dann 16 Kanäle "ohne Kapazitätsprobleme" empfangen können. DVB-H und UMTS-Streaming würden sich ideal ergänzen. Bei UMTS-Streaming könne man beliebig viele Kanäle empfangen, bei DVB-H sei dafür die Kapazität unbegrenzt. Das iPhone urteilte der 3-Chef ab: "In Europa ist der Standard ein anderer, hier sollte man in Österreich lieber auf die dritte Generation warten."

Der Umsatz des Mobilfunkunternehmens 2007 lag bei rund 190 Mio Euro. Seit 2006 ist "3" EBITDA-positiv, "mit dem Reingewinn wird es allerdings noch eine Weile dauern", gestand Thoma ein. Dafür habe man mit 45,33 Euro den höchsten ARPU (durchschnittlicher Umsatz pro User) der heimischen Mobilfunkbranche. "Leider erudiert der ARPU massiv", so Thoma. Befragt, ob "3" nicht in absehbarer Zukunft ein Übernahmekandidat sei, meinte Thoma: "Schauen wir mal, wie es in drei Jahren aussieht, vielleicht können wir da ja One übernehmen".

www.drei.at

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