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Der Siegeszug der CD setzt sich unaufhaltsam fortHannes JanskyAus der Ablöse der Langspielplatte wurde mit der CD das Multimedium schlecht hin. CD-I, Photo-CD und jetzt die neuen DVDs für Videos werden zwar die Diskette nicht ausrotten, aber sicherlich das Datenaustauschmedium der Zukunft darstellen.
Als Mitte der 80er Jahre die Musikindustrie erfolgreich mit den
neuen Silberscheiben die Langspielplatten verdrängte, war
noch niemandem klar, daß dieses Medium auch in der Datentechnik
eine wesentliche Rolle spielen sollte. Waren doch damals gerade
die ersten Festplatten mit Kapazitäten zwischen 10 und 20
MB aufgetaucht und Experten der Meinung, die auf CDs möglichen
Kapazitäten niemals nutzen zu können.
Mit dem Schlagwort MultiMedia und den damit verbundenen Bild- und Videodaten sah die Sache schon ganz anders aus. CD-ROM-Laufwerke hielten langsam Einzug in die PC-Gehäuse und sind dort heute nicht mehr wegzudenken. Die Geschwindigkeiten der Lesegeräte stiegen und stiegen, und heute erreicht die neueste Generation mit Tricks bereits die 20fache Geschwindigkeit eines Audio-CD-Players. Zudem lernten die Laufwerke auch mit den immer wieder erweiterten "bunten Büchern", die die Standards für CD-Formate angeben (siehe Kasten), umzugehen. Seit knapp mehr als zwei Jahren besteht am Computer auch die Möglichkeit, CDs selbst zu erzeugen, und ganz neu präsentierten sich auf der CeBit 97 erste Geräte, die beschriebene CDs auch wieder löschen können. Parallel dazu betritt die nächste Generation an silbernen Scheiben den Markt. Mit der DVD sollen herkömmliche Videorekorder bald der Vergangenheit angehören. Erste Lesegeräte werden bereits ausgeliefert, Schreiberlinge sollen bis Weihnachten in den Regalen stehen. In der schnellen Entwicklung ist leider nur selten Abwärtskompatibilität gegeben, und der noch so aktuelle Standard kann im nächsten Jahr bereits der Vergangenheit angehören. PhotoCD und CD-IEinen wesentlichen Anteil am vielfältigen Erfolg der CD-ROM darf sich Kodak mit der Photo-CD an den Hut heften, auch wenn noch nicht jeder Haushalt seine Urlaubsbilder auf die goldene Scheibe entwickeln läßt. Die kostengünstige Möglichkeit, Bilder in mehreren Auflösungen auf eine CD gepreßt zu bekommen, hat bisher hauptsächlich die professionelle und semiprofessionelle Grafik und die Druckvorstufe begeistert. Nichtsdestotrotz kann heute jede Grafik-Applikation unter Windows oder am Apple Macintosh Photo-CDs interpretieren. Auch der CD-I, die von Philips mit viel Mühe entwickelt wurde und deren Abspielgeräte sich in den Hirnen der Philips-Marketingstrategen in jedem Haushalt finden sollten, war nicht der gewünschte Erfolg beschieden. Zwar konnten die Abspielgeräte auch Photo-CDs verstehen, leider blieb das Angebot an Software dafür im bescheidenen Rahmen. Auch die groß angekündigten Videotitel auf CD-I besitzen von der Anzahl her bis heute experimentellen Charakter. Ein Traum: CDs selber brennenEine wesentliche Neuerung im CD-Bereich war die vor etwas mehr als zwei Jahren aufgetauchte Möglichkeit, selbst Scheiben zu beschreiben. Endlich konnten Daten sicher und - halbwegs - kostengünstig abgelegt werden, endlich konnten Computerspiele, die nicht zuletzt aus Kopierschutzgründen beinahe ausschließlich auf CD-ROM erscheinen, dupliziert werden. Und endlich konnte man sich auch seine eigenen Audio-CDs zusammenstellen. CDs eignen sich ideal zum Auslagern von Daten, da sie gegenüber magnetischen Speichermedien eine wesentlich längere Haltbarkeit aufweisen. Selbstgeschriebene CD-ROMs sind zwar mechanisch etwas anfälliger als ihre gepreßten Kollegen, bei artgerechter Lagerung und Behandlung ist ihnen aber eine Datensicherheit von weit mehr als zehn Jahren sicher. Teure RohlingeDer noch immer relativ hohe Preis der Rohlinge von nicht unter öS 70,- pro Stück begründet sich darin, daß von den weltweit immer noch nur sechs Werken viel zu geringe Stückzahlen auf den Markt kommen. Und der Preis ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Verbreitung von CD-Writern noch nicht explosionsartig verläuft. Zusätzlich erschien vor kurzem mit dem MP6200 von Ricoh der erste CD-Writer, der nicht nur CD-ROMs beschreiben, sondern sie auch wieder löschen kann. Natürlich nicht die gleichen Medien - die speziellen kosten den fünffachen Preis - und natürlich sind die wiederbeschreibbaren CDs nur auf den gerade erst auf den Markt gekommenen CD-ROM-Laufwerken lesbar. Aber trotzdem. Die Preise werden sinken, die Verbreitung wird steigen, und das eine oder andere ältere CD-ROM-Laufwerk kann mit Hilfe eines Firmware-Upgrades lernen, das CD-E-Format zu verstehen. DVD: Videos wie noch nieMit der Markteinführung der Videoplayer aus der Unterhaltungselektronik in Europa im Herbst 1997 wird ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der glitzernden Scheiben aufgeschlagen. Die neue Digital Versatile Disc (DVD) hat genau wie ihre kleine Schwester einen Durchmesser von zwölf Zentimeter und ein Loch in der Mitte. Dafür besteht sie aber nicht aus einer, sondern aus zwei Rücken an Rücken miteinander verbundenen Halbscheiben, die je 0,6 mm dick sind. Damit wird eine feinere Fokussierung des Laserstrahls und somit ein Auslesen dichter beschriebener Informationen möglich. Dadurch und durch die Veränderung der Wellenlänge des Abtastlasers von 780 nm im Infrarotbereich auf rote Laser mit 635 bzw. 650 nm werden Speicherkapazitäten von 4.700 MB pro Informationsschicht erreicht. Zum Vergleich: Auf einer herkömmlichen CD lassen sich 780 MB Audio oder 650 MB Daten ablegen. DVD wird vor allem für Filme zum Einsatz kommen, die DVD-Video enthält diese nach dem MPEG-2-Standard komprimiert. Bereits im Herbst soll uns ein umfassendes Angebot an Videofilmen das Entrümpeln der vorhandenen Videorekorder schmackhaft machen. Für die Computerindustrie bietet sich die DVD-ROM mit ihrer hohen Speicherkapazität als ideales Medium für multimediale Anwendungen oder als interaktives Schulungsmaterial an. Auch die einmal beschreibbare Variante - die DVD-R - soll noch gegen Ende des Jahres den Markt betreten, mehrfach beschreibbare Medien und die dazugehörigen Geräte sind allerdings noch nicht absehbar. Geschwindigkeitsanpassung kostet ZeitIm Gegensatz zu einer Langspielplatte wird eine CD mit einer konstanten Auslesegeschwindigkeit von 1,3 Metern pro Sekunde abgespielt. Das bedeutet, daß die Rotationsgeschwindigkeit des CD-Players nicht konstant ist, sondern permanent angepaßt werden muß. Praktisch liegt sie zwischen 200 und 500 Umdrehungen pro Minute. Daher ergeben sich auch die noch immer langsamen Zugriffszeiten, die in den meisten Fällen über 200 ms liegen. CDs werden von innen nach außen geschrieben und gelesen. Die inneren 4 mm enthalten den Lead-In-Bereich mit dem Inhaltsverzeichnis, darauf folgen maximal 33 mm Daten, und das 1 mm breite Lead-Out signalisiert das Ende der CD. Geräte und TechnikenWährend die ersten CD-ROM-Laufwerke SCSI-Geräte waren, eroberten bald darauf die wesentlich kostengünstigeren ATAPI-Drives, die am IDE-Adapter betrieben werden, den Markt. Wurden in den Anfängen CDs zum Schutz und zur besseren Positionierung im Laufwerk in sogenannte Caddys gesteckt, hat vor wenigen Monaten auch der letzte Verfechter der aufwendigeren Technik - Plextor - sich zur trendigen Schublade gewandt, die die CDs wie ein Audio-CD-Player aufnimmt. Nichtsdestotrotz ist ob der hohen Geschwindigkeiten moderner CD-ROM-Laufwerke äußerste Vorsicht beim Einlegen der CD geboten, da schon die leiseste Unwucht den gesamten Computer in Bewegung bringt; ähnlich einer Waschmaschine beim Schleudern mit unwuchtiger Beladung. Jetzt geht's erst richtig losCD und kein Ende! Wenn man sich die Entwicklung des letzten Jahres ansieht, kann man den Eindruck erhalten, daß es jetzt erst richtig los geht. Immerhin fehlen für das DVD-Format noch jede Menge mögliche Spezifikationen in der Praxis. Und was weder Kodaks Photo-CD noch Philips CD-I-Player geschafft haben - bald könnte es Wirklichkeit werden. Mit der Verdrängung des Videorekorders ziehen natürlich CD-ROM, Photo-CD und CD-I ebenfalls in jeden Haushalt. Lassen wir uns überraschen.
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