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Dialog mit Nicolas Negroponte

F: Denken, Sie daß Websites mit vielen kleinen tanzenden Maxln besser sind? Manchmal ist es eine richtige Erholung, schlichten Text zu sehen und nicht von hundert Bildern angeflogen zu werden.

- Amy Wycker, San Francisco

A: Ich bevorzuge simples und elegantes Design. Was viele Websites heute in erster Linie bieten, ist Lärm für die Augen. Bewegte Bilder bringen aber Aufmerksamkeit; besonders die Augenwinkel sind anfällig dafür. Wenn man aber etwas konzentriert betrachten will, wird man durch unkontrollierbare und unvorhersehbare Animationen abgelenkt. Zu viele Webdesigner verwandeln ihre Site in einen Flohzirkus der Bilder von denen jedes beachtet werden will. Hier haben wir einen typischen Fall von "weniger ist mehr".


F: Spielt es eigentlich eine Rolle, wo Information als erstes erscheint - Zeitung, Fernsehsendung, Internet - so lange sie in allen Medien erscheint?

- jorgef@infomail.lacaixa.es

A: Das spielt sehr wohl eine Rolle. Ironischerweise wird jeder ein anderes Medium für das am besten geeignete für einen ersten Bericht sehen. Ich habe zum ersten Mal von der Verfolgungsjagd nach O. J. Simpson online erfahren, während sie noch im Gange war. Wenn ein Wertpapier das ich besitze, eine deutliche Bewegung nach oben oder unten macht, möchte ich das von meinem Pager ablesen. Oft bedeutet "als erstes" aber auch "weniger ausführlich". Einige Medien, wie Zeitungen, sind für Details besser geeignet. Fernsehen und Radio sind besser für brandaktuelle Aufmacher ohne Details.


F: Is es wahr, daß für Besprechungen von Computerprodukten die Firmen in den Magazinen inserieren müssen? Ist das nicht irgendwie bedenklich?

- Hans Sculman, Chicago

A: Ich kenne keine Computerzeitung, die Inserate als Bedingung für eine Produktbesprechung hat. Das wäre tatsächlich bedenklich, denn es würde den Besprechungen die Glaubwürdigkeit nehmen. Mir fallen Magazine ein, die höflicherweise die entsprechende Firma über die Besprechung ihres Produkts in Kenntnis setzen. Das gibt der Firma Gelegenheit, ein ensprechendes Inserat zu schalten und weitere Informationen anzubieten, die in Magazinartikel üblicherweise nicht enthalten sind. Beispielsweise erfährt man zwar von Features und Charakteristika, aber nicht, wo man das Produkt kaufen kann, was für den interessierten Leser wichtig ist.


F: Ich habe am Internet etwas von Domainnamen aufgeschnappt. Was ist das? Ist das wichtig?

- karenadvan@pr.com

A: Domainnamen sind Internetadressen, ganz ähnlich einer Postadresse: Name, Straße und Nation. Innerhalb der Grenzen von Rechten anderer und der Verfügbarkeit, kann man sich einen Domainnamen aussuchen, der dann von einem abgekürzten Ländernamen und einer organisatorischen Angabe gefolgt wird - wie etwa .edu, was eine Bildungseinrichtung bezeichnet; oder .com, was "company" bedeutet.

Die einzelnen Länder haben ein jeweils verschiedenes Prozedere, was im Grunde genommen ein ziemlicher Sauhaufen ist. Der Grund, aus dem das alles sehr wichtig ist: einige Leute haben viele Namen an sich gerafft, die andere für ihr gerechtes Eigentum halten. Wenn Sie beispielsweise negroponte.com anmeldeten und bekämen, wäre ich sehr verärgert. Machen Sie sich keine Sorgen, diesen Domainnamen habe ich mir bereits gesichert, auch wenn ich eigentlich keine Verwendung dafür habe. Aber nehmen wir an, ich hätte eine Verwendung dafür, und hätte sehr viel Erfolg damit - zehntausende Hits pro Tag. Sie könnten dann ein ähnliches Service in Japan anbieten unter negroponte.co.jp und jeder würde meinen, wir beide wären Geschäftspartner. Von der Thematik, wer, wenn überhaupt jemand, think.com, love.com, money.com oder learn.edu bekommen sollte, wollen wir besser gar nicht erst reden.


F: Womit verbringen Sie die meiste Zeit? Mit unterrichten? Mögen Sie ihre Arbeit?

marcues@aol.com

A: Mit Reisen. Während das vielleicht wunderbar klingt, bin ich viel zuviel unterwegs. Die Ironie hier ist, daß Mr Bits seine Atome überall hin mit schleppen muß. Nicht nur, um Vorträg zu halten, sondern auch um MIT Media Lab-Sponsoren zu treffen. 50 Prozent davon sind außerhalb der USA.

Unterrichtet habe ich schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Das sollten sie aber im Zusammenhang des Media Lab sehen, das mehr wie ein Atelier im 16. Jahrhundert betrieben wird: die Schüler lernen durch Zusammenarbeit mit dem Meister. Darüber hinaus wäre ich ohnehin nicht in einem Hörsaal, ich würde meine Erfindungen und Forschungen in einem Team von Studenten machen.

Meine Arbeit mag ich sehr, aber ich wünschte, ich müßte nicht so viel reisen.


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