In seiner letzten Kolumne wurde Bill Gates gefragt, ob die rasante Entwicklung des Internets einen Einfluß auf die Gesellschaft hat. Gates hat den Lesern versichert, daß technologischer Fortschritt alleine noch keine gesellschaftlichen Änderungen bewirken kann.
Er hat dann etwas erwähnt, das uns einen weiteren Einblick in sein umfangreiches Wissen und sein strategisches Denken gewährt. Er meinte, "Zum einen entwickeln sich Produkte langsam weiter, um den Bedürfnissen des Marktes gerecht zu werden. Zum anderen paßt sich der Markt langsam an neue Möglichkeiten an.". Das ist typische Microsoft-Philosophie und der Fels auf dem Microsoft so sicher steht. Wir Computerbenutzer tendieren zur Überholspur und vergessen oft, daß sich Produkte langsam weiterentwickeln. Wir lesen ein Computer-Magazin und erfahren so von all diesen neuen Produkten, neuen Applikationen, neuem Dies und Das und wir vergessen zumeist, das das alles nicht ganz so neu ist. Das meiste ist eine Aufbereitung oder Weiterentwicklung von existierenden Produkten. Wie lange hat sich Windows 95 entwickelt? Wir haben zum ersten Mal 1992 davon gehört, und haben es seit über einem Jahr. Wenn alles gut geht, haben wir 1998 die zweite Phase. Von Überholspur kann hier absolut keine Rede sein, obwohl wir den Eindruck haben, daß sich diese Technologie sehr rasch weiterentwickelt. Die Windows Plattform besteht aber bereits seit 1984 und hat sich seither stetig weiterentwickelt. Bill Gates versteht die Höhen und Tiefen einer Produktentwicklung vermutlich besser als jeder andere Firmenchef auf der ganzen Welt. Er hat ein Talent sich zur richtigen Zeit zurück zu lehnen um zu diesem Zeitpunkt seine Produkte zu konsolidieren. Dann aber wieder - wenn der Markt reif ist, kann er - wie getrieben - vorwärts springen. Aus diesem Grund ist es auch verständlich warum sich in Konkurrenzbetrieben der große Frust aufbaut, wie etwa beim Borland Chef Delbert Yocam. Yocam ist gerechtfertigterweise frustriert. Allein in den letzten zwei Jahren sind mehr als 30 seiner Angestellten zu Microsoft "übergelaufen", wodurch seine Firma Schaden erlitten hat. Er hat daraufhin Microsoft wegen unfairer Geschäfts-Praktiken verklagt, weil Microsoft angeblich damit Borlands Wettbewerbsfähigkeit untergräbt. Rechtskundige sagen, daß Borland sich keine großen Hoffnungen machen soll, aber es rückt Microsoft trotz allem in ein schlechtes Licht. Netscape ist ebenfalls frustriert. Auch Netscape hat diese Woche beim US-Justizministerium eine Klage eingebracht. Das Gericht wird nun die Marketing-Praktiken von Microsoft vor allem im World Wide Web untersuchen. Auch in diesem Fall wird der Kläger wenig Chancen haben, aber es zeigt die Notwendigkeit Microsoft's festen Griff auf diesem Markt etwas zu lockern. Ist Gates darüber besorgt? Keine Spur. In diesen beiden Beispielen wendet Microsoft nur eine ausgeprägte Form der freien Marktwirtschaft an, um ihre Ziele zu erreichen. Den einzigen Anreiz, den Microsoft den Borland-Angestellten bietet ist Geld und Prestige. Der Einsatz dieser Mittel wird von vielen Firmen seit Jahren praktiziert und wird generell als etwas bewährtes angesehen. Es braucht zwar jede Menge Geld und Leute dazu, das ist aber ein Teil dieser Strategie. Für Gates sind diese rechtlichen Schritte durch Borland und Netscape nur weitere Höhen und Tiefen in der Langzeitentwicklung seines Geschäfts. Tatsächlich verwendet er diese Zeit, um seine Produkte zu konsolidieren. Wir befinden uns derzeit in einer eher abwartenden Haltung gegenüber den Versprechungen des Internets und einer fortschreitenden Weiterentwicklung der großen Betriebssysteme von Microsoft. Es ist aber auch der perfekte Zeitpunkt für Microsoft eine Firma Namens "Dimension X" zu kaufen. Diese Firma weiß besser wie man Java einsetzt und verwendet, als Java selbst. Gates hat keine seiner berühmt berüchtigten strategischen Allianzen mit dieser Firmen aufgebaut, sondern er hat schlicht und einfach die Firma gekauft. Plötzlich steht Microsoft, die immer ein wenig zögerlich an der Java Front agiert hatten, an vorderster Linie. Es ist eine klassische Verbindung zwischen der Technologie von Dimension X und dem Know How von Microsofts Marketing und Entwicklung. Eine klassische Vereinigung von Kräften also. Und es ist auch eine klassische Entwicklung. Charles Darwin hat schon darauf hingewiesen, daß die Evulution nicht gerade ein netter Prozeß ist, der meistens sogar grausam und gewalttätig ist. Wenn das keine perfekte Beschreibung von Gates und Microsoft ist?! Firmen wie Netscape und Borland wollen offensichtlich herausfinden, wie man Microsoft sonst noch definieren kann. |