Liebe Leser

Bill Gates, üblicherweise nie sehr zimperlich, wenn es darum geht, die eigene Marktposition zu stärken, hat sich einen neuen Coup einfallen lassen. Zusammen mit Intel wurde eine sogenannte "PC-98 Initiative" gegründet, mit der die Architektur zukünftiger PCs vorgegeben wird. Diese Initiative schreibt allen Hard- und Softwareherstellern vor, welche Kriterien eingehalten werden müssen, um in Zukunft mit dem begehrten Logo "Designed for Windows" ausgestattet zu werden.

Eine gravierende Änderung wird die Einführung neuer Busarchitekturen sein, die gleichbedeutend mit dem Abschied von der guten alten ISA-Architektur sein wird. Das klingt schlimmer als es ist, denn wer hat sich nicht schon über Probleme bei der Konfiguration von ISA-Karten und Peripherie geärgert. Plug & Play heißt die Zukunft, obwohl die Vergangenheit unter diesem Schlagwort auch nie ganz streßfrei war.

Kurz zum Wesentlichen: Der ISA ersetzende Universal-Serial-Bus, kurz USB genannt, wird mit zwei Geschwindigkeiten betrieben, und die entsprechenden Geräte werden über zwei Busverteiler, genannt HUBs, angeschlossen. Für langsame Endgeräte, wie Keyboard, Maus, Datenhandschuh oder Game Pad, beträgt die Übertragungsgeschwindigkeit 1,5 Mbit/s. Über eine Tastatur mit integriertem Busverteiler (HUB) werden diese "langsamen" Devices angeschlossen. Schnelle Peripherie, das können Modems, Telefone oder andere Eingabegeräte, wie Videokameras und Mikrofone sein, wird mit 12 Mbit pro Sekunde ihre Daten in das System schaufeln, als Gerät mit integriertem HUB ist der Monitor vorgesehen. Insgesamt lassen sich so bis zu 127 Geräte mit dem Rechner verbinden. Aber wieder zurück zur PC-98 Initiative. Kernpunkt ist die Definition von drei unterschiedlichen Benutzergruppen. Ausgegangen wird vom sogenannten "Basis PC98". Dieses Modell beschreibt die Mindestanforderungen, die wie folgt aussehen: 200 MHz Pentium mit MMX, 32 MB (besser 64 MB) Hauptspeicher, ACPI-Support (Advanced Configuration and Power Management) mit OnNow-Unterstützung, die eine Fernschaltbarkeit des PCs ermöglichen soll. Ein weiterer Kernpunkt ist die BIOS-USB-Unterstützung für HUB-Geräte, wie Tastaturen und Monitore. Alle Geräte, die über die unterstützten Busarchitekturen USB, IEEE-1394 oder PC-Card-Bus angeschlossen werden, müssen HotPlug-fähig sein. Als "Heißer Draht" wird die IEEE 1394 Norm bezeichnet. Sie ist nichts anderes als ein High-Speed-Bus, über den Camcorder, DVDs oder Festplatten in Zukunft angeschlossen werden. Gegenüber dem weitverbreiteten SCSI-Bus fällt die Adressierung der einzelnen Devices weg, es gibt keine dicken SCSI-Kabel mehr, und mit Geschwindigkeiten von 400 bis 800 Mbit/s ist auch die Übertragung von Videosignalen gesichert. Hauptanwendungsbereich für diese Features wird der "Entertainment PC98" sein, mit dem die zweite Gruppe der Benutzer angesprochen wird. Ausgegangen wird vom Basismodell, das Erweiterungen für den Heimanwender in folgenden Bereichen vorsieht: Fernsehen, Telefon- und Fax-Empfang, Computerspiele etc. Diese Geräte müssen, um das begehrte "Designed for Windows" Label zu bekommen, mit 2D- und 3D-beschleunigten Grafikkarten ausgestattet sein. Verbindlich wird auch die Anschlußmöglichkeit für mindestens zwei IEEE-1394 Peripheriegeräte sein. Zusätzlich wird die Anbindung von Audio/Video-Signalen und weiteren drahtlosen Übertragungstechniken definiert. Die Unterstützung der PAL- und NTSC-Norm versteht sich von selbst. Bleibt nur noch der Bereich für den professionellen Anwender übrig, für den natürlich auch eine entsprechende Anwendungsumgebung mit der Bezeichnung "Office PC98" definiert wurde, womit auch gleich der Name der Applications-Software feststeht, die darauf laufen soll. Wiederum wird vom "Basis PC98" ausgegangen, der durch eine Netzwerk- oder Modem-Anbindung ergänzt wird. Das BIOS muß grundsätzlich Remote-Boot-Funktionen anbieten und entsprechende Möglichkeiten für die Fernbetreuung dieses PCs haben. Nicht zu vergessen die Fähigkeit, die Art des Netzwerkes selbst zu erkennen und sich zu integrieren. Nachdem auf diesem Weg die Welt der Anwender als "Drei-Klassen-Gesellschaft" definiert wurde bleibt nur noch zu wünschen, daß man der "Wintel-Alliance" in die Arme fallen kann und nicht in die Hände, meint Ihr Ihr

Michael Nobbe