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Heteros sind modernMag. Klaus Ebner
Mit den Jahren sammelt sich so einiges an, und wer ausmustern will, erschaudert oftmals angesichts der Zahlen, die einst in der Buchhaltung aufschienen.Warum nicht Vorhandenes mit Neuem kombinieren? Das fragen viele, denn man kann eine Menge Ärger einsparen und Geld noch dazu. Eine tolle Idee also! Und wie das Leben so spielt, findet man sich viel früher in einer bunten Systemumgebung wieder, als man dachte. Tja, und dann? Noch mit dem Spruch "Gegensätze ziehen sich an" in den Ohren wird festgestellt, daß die Kombination, die man erträumte, gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Mal funktioniert der Drucker nicht, dann läßt sich eine neue Netzwerkkarte nicht installieren, und zu guter Letzt schmiert die Kiste ab, sobald die Terminal-Emulation startet. Das große Glück ist das wohl nicht. Nach eine Reihe schlafloser Nächte, gerade als der Systembetreuer das Handtuch wirft und klein beigeben will, bereit ist, den ganzen Krempel auf den Müll zu werfen, erscheint ein Lichtblick in der Ferne der Computerindustrie: die zahlreichen Komponenten dürfen nicht verschwinden, ganz im Gegenteil, man könnte die Landschaft noch vervielfältigen, bisher nicht erprobte Betriebssysteme dazu holen, denn man ist ja modern: man ist heute heterogen. Spaß ohne: das Zusammenbinden verschiedener Rechnerwelten spart mitunter eine Menge Geld, und so nebenbei kann man die Vorteile der verschiedenen Plattformen auskosten, so gut das eben geht. Heterogene Netzwerkumgebungen sind also keineswegs Schwachsinn, sondern in vielen Fällen sehr nützlich. Was viele jedoch nicht bedenken, ist, daß auf dem Papier alles so einfach aussieht, während die Praxis jedes Handbuch Lügen straft. Das Zusammenbinden verschiedener Rechnerplattformen ist keineswegs banal, sondern stellt höchste Ansprüche an das Betriebssystem. Wer daran zweifelt, soll sich nur einmal eingehend mit all den verwendeten Plattformen befassen; im Grunde reicht es schon, sich einmal in die Tiefen der TCP/IP-Protokolle zu begeben, um abschätzen zu können, welche Aufgaben ein Betriebssystem in heterogenen Netzwerken erfüllen muß. Mancher Hersteller versucht vielleicht, sich mit seinem System in den Vordergrund zu drängen, doch wer fair ist, muß zum heutigen Zeitpunkt feststellen: Hetero sind sie alle. Sogar wenn einzelne Systeme auf den ersten Blick eher bi erscheinen, sind sie doch so angelegt, daß sie als Bindeglied zwischen einer Vielzahl von Rechnern und Plattformen eingesetzt werden können. Microsoft versucht Windows NT als Alleskönner zu plazieren, IBM propagiert den OS/2 Warp Server als Heilmittel, und Novell ist sich der Meriten der IntranetWare sehr sicher. Andere, wie beispielsweise Banyan Vines, treten in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung, bieten ihre Interoperability unter Umständen jedoch schon viel länger an als die Dandies im Hause Software. Eine Grundregel sollte sein, die vorhandenen Wünsche mit der gegebenen Hardware abzustimmen oder eventuell neue Geräte anzuschaffen. PCs, die als Betriebssystem Windows 95, NT oder OS/2 Warp verwenden, zu einer Netzwerk-Domäne gehören, gleichzeitig Terminal-Emulationen von AS/400 und Mainframe haben und vielleicht noch per XServer auf Unix-Maschinen zugreifen sollen, kommen mit einer vor kurzem noch gültigen Standardkonfiguration (486er, 16 MB RAM, 500 MB Festplatte) gewiß nicht aus. Darüber hinaus werden Spezialisten benötigt, die in der Lage sind, verschiedene hochkomplexe Systeme zu warten und aufeinander abzustimmen. Zertifizierungen, die heute schon jeder große Software-Hersteller anbietet, können den Lernvorgang zwar beschleunigen, doch ersetzen sie weder Erfahrung noch Zeit. Es ist schon richtig, daß alle Systeme im Grunde nur mit elektrischen Impulsen arbeiten, doch es ist nun einmal von immenser Bedeutung, auf welche Weise ein Betriebssystem diese Impulse auf das Netzkabel bringt. Die Aufgabe, das alles unter einen Hut zu bringen, sollte nicht unterschätzt werden, schon gar nicht von Managern. Welche Software-Konfiguration funktioniert und welche nicht, kann wohl am besten ein Systemadministrator beurteilen, der mit diesen Dingen quasi ins Bett geht. Und es kostet Geld. Allerdings weniger, als Sie bezahlen, wenn Sie Ihre EDV unvorbereitet in den Krieg schicken. Betriebssysteme wie Windows NT, OS/2 Warp oder Novell IntranetWare machen eine Menge Probleme, doch andererseits ist ihre Leistung gewaltig. Wer an den Möglichkeiten scheitert, weil er die Problematik unterschätzt hat, riskiert, erst recht wieder zu einem einzigen System zurückzukehren und sich damit einem einzigen Hersteller mit Haut und Haar zu verschreiben. Seine Systemumgebung könnte somit wieder richtig homogen werden. Gegen Homos ist zwar auch nichts einzuwenden, aber ich denke, die richtige Mischung macht doch das Leben erst lebenswert - oder?
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