homepage heftinhalt header
InsideIn 4/98

Gates Watch

von Evan Mahaney
übersetzt von Reinhard Gantar

Viel Lärm um nichts

Es kommt sehr selten vor, daß ich Mitleid für die Probleme von Politikern oder den Gurus der Mediensaurier empfinde. Im Augenblick aber bemitleide ich beide ein bißchen (ein kleines, kleines bißchen) für ihre Aufgabe, die Lage der Nation zu erkunden.

Beispielsweise waren die Medien und republikanischen Politikos bereits in den Startlöchern, um Präsident Clinton mit unangenehmen Fragen zur Lachnummer "Sex im Weißen Haus" in die Zange zu nehmen. Die Öffentlichkeit aber zuckte nur mit den Schultern und die Ermahnungen und Petzereien verhallten unbeachtet.

Ziemlich genau das gleiche passierte Anfang März bei Bill Gates und dem Showdown mit Senator Orrin Hatch und seinem Richterkomitee. Die Medien, Mitbewerber von Microsoft und Politikos aller Coloeurs waren bereit zum großen Feuerwerk. Plötzlich fanden sie sich aber an einem furchterregenden Abgrund von den Ausmaßen eines schwarzen Lochs, dem sie nach einem gewagten Sprung möglicherweise nie wieder entkommen wären. Als Folge machten die meisten einen Rückzieher.

Wer sind die Opfer? Das ist die unausgesprochene Frage, die uns Kiebitze beschäftigt. Hatch und sein Komitee waren gut vorbereitet und wollten Gates Fragen über Monopole und Moneten stellen. Einem Senator blieb die Spucke weg, als er hörte was Microsoft so an Umsatz und Gewinn macht. Das führte ihn aber auf sumpfiges Gelände, denn die meisten Leute finden, daß der Erfolg Bill Gates recht gibt.

Als Scott McNealy, der Präsident und CEO von Sun Microsystems, den Rückzug der Senatoren erlebte, tummelte er sich mit Erklärungen über die Gesundheit seiner Firma und daß ihr kein Schaden zugefügt worden sei. McNealy und James Barksdale, Präsident und CEO von Netscape Communications argumentierten, sie wollten keine eiserne Faust der Regierung über dem Softwarebusiness haben. Das alles erinnert stark an ein amerikanisches Sprichwort: "Besteuert nicht mich, besteuert nicht ihn - besteuert den Mann hinter dem Baum". Natürlich ist hinter dem Baum kein Mann.

Niemand beklagte sich über einen zu hohen Preis des Betriebssystems Windows. Auch nicht über den Preis für Encarta oder Office97 oder irgendeines anderen Microsoft-Produkts. Ganz sicher beklagte sich niemand über Wucher beim Microsoft-Browser - der ist nämlich gratis. Es stand zwar das naheliegende Argument im Raum, Microsoft betreibe durch Herschenken des Browsers unlauteren Wettbewerb, bei der Öffentlichkeit ging das aber ins Leere.

Es gibt jetzt und in Zukunft sicher einige Konkurrenten von Microsoft, die untergehen und auf Gates als ihren Henker zeigen werden. Tatsächlich wird Netscape wegen Microsofts Marktherrschaft wahrscheinlich noch dieses Jahr entweder absaufen oder geschluckt werden. Das Argument vom unlauteren Wettbewerb wird aber nur radikale Sozialisten überzeugen. Die meisten Bürger Europas, Amerikas und der meisten demokratischen Länder glauben an den freien Markt.

Der freie Markt ist ein bißchen wie die Natur. Die Natur sieht so beschaulich und friedlich aus - bis man beobachtet, wie die Nahrungskette funktioniert. Die harte Realität in der Natur wird offenbar, aber unsere Reaktion darauf ist, sich nicht einzumischen. So ist das eben. Die Mechanismen des freien Marktes, so brutal sie auch sein mögen, bewirken ein ganz ähnliche Reaktion: nicht einmischen.

Gates könnte es allen ein bißchen leichter machen, indem er den Preis für Windows auf 500 Dollar pro Benutzer anhebt. Dann könnten wir uns auf den Standpunkt zurückziehen, er wäre ein Monopolist und würde seinen gigantischen Marktanteil dazu mißbrauchen, den Kunden zu neppen. Jeder wäre sofort dabei, wenn so etwas passierte. Die Regierung könnte einmarschieren, Microsoft zerlegen, den Preis auf 200 Dollar pro Benutzer senken und behaupten, sie hätte etwas für die Allgemeinheit getan.

Entspannt euch. Weder wird Gates die Preisstruktur verändern noch wird ein Senator, das Justizministerium oder ein Gericht Microsoft zerstückeln.

Die Anstrengungen erscheinen nicht sehr sinnvoll, bevor man dahinter kommt, daß sie reine Posen sind. Wir haben einen republikanischen Senat, der hinter einem Vorzeigeunternehmen her ist. Wir haben einen demokratischen Präsidenten, der die republikanischen Gouverneure davon abhalten will, das Internet zu besteuern. Wir haben Senatoren, die das Prinzip des freien Unternehmertums anzweifeln, und wir haben Microsofts Mitbewerber, die herumlaufen und sagen: "Nein, bitte keine Einmischung der Regierung in unser Business, aber bitte Microsoft kaputtmachen" (Um es mit meinen eigenen Worten zu sagen).

Ich glaube, die Öffentlichkeit versteht die Zusammenhänge. Die Medien hassen das Zugeständnis, daß die Allgemeinheit ihnen voraus ist. Ich aber glaube, "der Mann von der Straße" erkennt das alles als das, was es ist: "Viel Lärm um nichts" - wie das Mr. Shakespeare gesagt hat.

index heftinhalt footer