
Die Zeit anderer Leute zu verschwenden, ist für mich der Gipfel der Unhöflichkeit. Unser aller Zeit ist begrenzt und wir können es uns nicht leisten, sie zu verschwenden. Das ist es, was elektronisch geschickten Müll und elektronische Kettenbriefe so nervtötend macht. Die freie Verteilung von unwillkommenen oder irreführenden Mitteilungen an Tausende von Menschen ist ein ärgerlicher und manchmal destruktiver Mißbrauch der noch nie dagewesenen Effektivität des Internets. Nur wenige Werkzeuge in der Geschichte haben so viel Einfluß gezeigt wie das Internet. Obwohl es noch in den Kinderschuhen steckt, beginnt das Internet die Welt zu verändern, indem es Kommunikation und Veröffentlichungen in märchenhafterweise vereinfacht und verbilligt. Wie aber alle mächtigen Werkzeuge wird auch das Internet zweckentfremdet und mißbraucht. Die Extrakosten für das Versenden einer Nachricht über das Internet sind praktisch Null. Das hat wunderbare Auswirkungen. Unglücklicherweise hat das dazu geführt, daß Junkmail praktisch zum Nulltarif an zehntausende Leute geschickt wird und so enorme Mengen an kollektiver Zeit verschwendet. Diese Bürde tragen die Adressaten, die durch den Sumpf aus ungewollter Reklame durch müssen, und die Internetfirmen, die diesen "Spam" (wie das in der Internetgemeinschaft heißt) weiterreichen müssen. Stellen Sie sich einmal vor, wie viel papierene Junkmail Sie bekommen würden, wenn Papier, Druck und Versand fast nichts kosten würde. Sie könnten 50 Kataloge oder mehr pro Tag bekommen. Wie Sie vielleicht aus erster Hand wissen, ist es für manche Leute nicht ungewöhnlich, jeden Tag Dutzende von Spams in ihrem elektronischen Postkasten zu finden. Firmen, die für den Internetverkehr zuständig sind, zahlen für die Kosten, die bei der Handhabung von Millionen von ungewollten Nachrichten anfallen. Man kann die meisten dieser Nachrichten leicht erkennen weil ihre Überschriften unrealistische Versprechungen, Blockbuchstaben und mehrere Rufzeichen enthalten. Die Identität der Absender ist für gewöhnlich getarnt oder gefälscht, denn die Leute, die so etwas verschicken, wollen dafür keine Verantwortung übernehmen. Beispielsweise kommt eine Nachricht mit dem Titel "!!!You've GOT to see this!!!" (Das muß man gesehen haben) von einem Absender, der anstelle seines oder ihres Namens nur eine Nummer angibt. Es ist Junkmail, die auf eine Pornosite verweist. Löschen Sie die Nachricht. Eine Mail mit dem Titel "You Too Can Easily Earn $1000-$5000/Wk!" (Auch Sie Können Leicht 1000-5000 Dollar pro Wochen Verdienen) ist von einem anonymen Absender, der etwas verkaufen will. Löschen. Eine Mail mit dem Titel "$ENHANCE REALITY$" verspricht "ihre Umsätze explodieren zu lassen". Löschen Sie diesen Dreck - und wünschen Sie sich dabei, den Absender explodieren zu lassen. Obwohl es nicht lange dauert, eine einzelne Nachricht als Müll zu erkennen und zu löschen, kann man bei mehreren Dutzend pro Tag sehr viel Zeit verschwenden. Millionen Menschen sind gezwungen, genau das zu tun. Natürlich gibt es viel E-Mail kommerzieller Natur, die durchaus ihre Berechtigung hat. Massenaussendungen sind angebracht, wenn der Empfänger sich dafür angemeldet hat und "News" über bestimmte Themen oder Angebote bekommen will. Meine Firma ist unter vielen, die regelmäßige E-Mailings an Kunden oder potentielle Kunden anbieten. Spam, auf der anderen Seite, kommt oft von Postfächern, die von den Absendern gerade lang genug unterhalten werden, um eine einzige Massenaussendung durchzuführen und dann wieder zu schließen. Eine sichere Methode, um von der Adreßliste des Spammers entfernt zu werden, oder sich zu beschweren, gibt es nicht. Manchmal bietet der Absender eine scheinheilige Option an, um sich von der Mailingliste zu nehmen, aber das funktioniert oft nicht. Tatsächlich ist es so, daß eine derartige Anfrage nicht mehr für Sie tut, als dem Spammer Gewißheit über die Gültigkeit Ihrer E-Mail-Adresse zu geben - was zu noch mehr Junkmail führt. Die von mir verwendete Software zum Aussieben der ungewollten Post funktioniert ganz gut, aber die Filter entfernen auch Mitteilungen, die ich wahrscheinlich gerne gelesen hätte. So ist das leider nun mal. Wie ich das zuerst 1995 in meinem Buch "Der Weg vor uns" erklärt habe, erwarte ich, daß wir eines Tages für das Lesen ungewollter E-Mail bezahlt werden. Sie stellen Ihr E-Mail-Programm dann so ein, daß es alle ungewollte E-Mail, deren Lesen nicht bezahlt wird, herausfiltert und wegwirft. Wenn Sie dann sehen, daß eine bezahlte E-Mail von einem lange verschollenen Freund ist, oder von jemanden, der gute Gründe hat, mit Ihnen in Verbindung zu treten, gibt es natürlich die Möglichkeit, die Zahlung zu stornieren. Andernfalls werden Sie für die Zeit bezahlt. Wenn dieser Tag da ist, wird Spam aufhören ein Problem zu sein, denn die Leute können dann entscheiden, wieviel ihre Zeit wert ist und Inserenten werden bedeutende Summen zahlen müssen, um ihr Publikum zu erreichen. Legalistische Maßnahmen gegen Spam sind auch vorgeschlagen worden. Beispielsweise gibt es einen Gesetzesentwurf, der einem Inserenten vorschreibt, seine Reklame zu kennzeichnen, um das Herausfiltern zu erleichtern und auch, eine gültige Adresse für Antworten anzugeben. Fortschritte bei der Software könnten es außerdem erleichtern, den Urheber von E-Mail ausfindig zu machen. Auch das könnte Spammer abschrecken. Sogar noch ärgerlicher als Spam sind Kettenbriefe. Das wurde mir kürzlich sehr eindringlich klar gemacht, als mein Name in so einer Aussendung vorkam. Die Teilnehmer am Kettenbrief schmückten die Mitteilung nach und nach immer weiter aus, eine frühe Version las sich so: "Mein Name ist Bill Gates. Ich habe gerade ein E-Mail-Suchprogramm geschrieben, das jeden aufspüren kann, dem diese Nachricht weitergeschickt wird. Ich experimentiere im Augenblick damit und ich brauche Ihre Hilfe. Leiten Sie die vorliegende Mail an alle weiter, die Sie kennen und wenn Sie 1000 Leute zusammenbekommen, erhält jeder auf der Liste 1000 Dollar aus meiner Tasche. Viel Spaß. Ihr Freund Bill Gates." Diese fragwürdige Nachricht kam viel herum, was sicherlich zu einiger Enttäuschung unter Menschen geführt hat, die mit den 1000 Dollar gerechnet und die Nachricht brav weitergeleitet haben. Viele fügten dabei einen hoffnungsfrohen Kommentar an: "Ich hoffe, daß ist kein Schwindel" "Einfach lesen, weiterleiten und 1000 Dollar kassieren...ich hoffe das stimmt so." "Ich bin sicher, daß ist irgendein Scherz... aber vielleicht ist es auch keiner." "Ich bin sicher, daß ganze ist Quatsch. Aber was ist, wenn es kein Quatsch ist?" Es ist Quatsch. Es gibt eine Menge Quatsch am Internet, und ein großer Teil davon ist unhöflich und vulgär. Aber das heißt nicht, daß das Internet nicht eine wunderbare Sache ist, oder daß es nicht die Welt verändern würde, oder daß es nicht immer besser werden würde. Anmerkung: Für eine Liste von Websites, die Spam und Kettenbriefe beschreiben, siehe auch eine Kopie dieses Artikels auf meiner Homepage: |
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