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Hardware 3/98

Der schwarze Tyrann
oder
my HPC and me

Der Handheld-PC HP620LX bringt Ordnung ins Chaos des Lebens. Der Windows-Computer für die Westentasche ist genau das Richtige für Menschen, die nie das Haus ohne Computer verlassen wollen, denen ein Laptop aber zu groß und der Libretto von Toshiba zu schwer ist. THOMAS SEIFERT

Endlich: Kein Zuspätkommen mehr bei Terminen, kein Vergessen von Telefonnummern, ständig immer und überall Emails und Faxe empfangen und senden können. Endlich. Nun geht das.

Schwarz ist es, das gute Stück. Ein wenig groß vielleicht: 19,8 cm lang, 10,4 cm breit und 3,6 cm hoch. Selbst nachgemessen. Im Winter geht's ja, da steckt man das Teil in die Manteltasche. Aber wohin damit im Sommer? Gottseidank. Der Sommer ist noch weit. Tja, etwas schwer ist er auch, der Handheld PC (HPC) von Hewlett Packard. Mit 586 Gramm (inklusive Lithium-Ionen-Akku) ist der Hi-Tech-Organizer nicht gerade ein Leichtgewicht. Trotzdem: Das Ding ist einfach genial.

Warum? Disziplinlose, schlampige Menschen benötigen irgendeine höhere Macht, die ihnen in diktatorischer Art und Weise einen Arbeitsstil aufzwingt. Genau das macht der Hewlett Packard HP 620 LX. Adressen und Termine werden mit Pocket-Outlook verwaltet, Notizen entweder mit dem Mikrofon in ein Soundfile diktiert oder in Pocket Word eingetragen. Kleinere Kalkulationen rechnet man mit Pocket Excel. Jedenfalls ist seit der Verwendung des HP 620 LX mit der Zettelwirtschaft Schluß. Wenn ein Termin ansteht, erinnert eine nervös blinkende LED-Anzeige. Endlich ist da ein Ding, das Ordnung ins Chaos des (Arbeits-)lebens bringt.

Doch zurück zu den technischen Features: Am auffälligsten beim HP 620 LX ist der breite (640 x 240 Pixel große) Farb-Touch-Screen. Beim Internet-Surfen mit dem Pocket-Internet-Explorer macht sich dieser Vorteil besonders bemerkbar. Doch ist der breitere Schirm auch beim Schreiben mit Word, oder beim Eintippen von Kalkulationen ins Excel kein Nachteil. Um im Internet surfen oder Emails verschicken zu können, muß man freilich noch eine PCMCIA-Modemkarte anschaffen. Eine weitere nützliche Erweiterungskarte ist die VGA-Karte, die die Verwendung des HP 620LX mit jedem VGA-Monitor ermöglicht. Das benötigt man zwar in den wenigsten Fällen, doch da mit dem HP 620LX auch Pocket PowerPoint mitgeliefert wird, zahlt sich die Anschaffung dieser Karte für jene Menschen aus, die viele Präsentationen zu zeigen haben. Denn in diesem Fall entfällt das lästige Herumschleppen des Laptops, der Handheld PC schafft's genauso.

Die Zusammenarbeit zwischen Desktop PC und Handheld PC funktioniert mit Windows CE 2.0 übrigens prächtig: Wenn man die Windows CE 2.0 Optionen auf dem PC installiert, taucht auf dem Desktop ein Folder namens Mobile Geräte auf. Öffnet man diesen, so kann man auf alle Files des HPC zugreifen. Allerdings müssen die Dokumente, um am PC verwendbar zu sein, zuerst aus den Pocket-Formaten (Pocket Word, Pocket Excel) in die gewohnten Office-Formate konvertiert werden (das macht der PC automatisch, sobald man in gewohnter Drag-and-Drop-Manier diese vom HPC auf den PC stellt). Termine, Kontakte und Aufgaben werden automatisch zwischen PC und Handheld PC synchronisiert. Auf diese Art und Weise ist ständig die Information auf beiden Rechnern aktuell. Für Lotus-Organizer (die sehr beliebte Outlook-Konkurrenz)-Fans bleibt allerdings die Schwierigkeit, die auf dem HPC benötigten Daten (vor allem die Kontakte) zuerst in eine Dbase-Datenbank zu konvertieren, sie dann ins Outlook zu übernehmen, um die Daten schließlich in den HPC schaufeln zu können. Wirklich interessant ist die Verwendung des HPC freilich besonders für jene Menschen, die bereits mit Word, Excel und vor allem Outlook arbeiten. Will man den HPC verwenden, zahlt sich ein Umstieg auf Microsoft Outlook auf dem PC aus - ein Nebeneffekt, der Bill Gates sicher freuen wird. Anders als beim Psion - dem bisherigen Marktführer bei Palmtop-Geräten - ist es für Microsoft-Afficionados kein Problem, sich vom ersten Augenblick an auf dem HPC zurechtzufinden.

Selbst umfangreiche Eintragungen (der Monitor testete das Gerät mit einer Datenbank von über 1500 Kontakten) machen dem 16MB-Giganten keinerlei Probleme. Eine große Zahl an Einträgen bremst zwar (verständlicherweise) die Suche, man findet aber mit dem HPC die Einträge auf alle Fälle schneller als wenn man ein "analogen" Telefonverzeichnis auf Papier verwendet.

Das Gerät ist durch die gute Zusammenarbeit mit Windows 95 (oder Windows NT 4.0) sehr flexibel: Es ist sogar möglich, Schriftarten aus Windows 95 in den Windows CE-Rechner zu übertragen. Das mag sich zwar nach Spielerei anhören, wird aber interessant, wenn firmenspezifische Fonts benötigt werden.

Die Akkuleistung war im Praxistest übrigens sehr zufriedenstellend: Es wurden an einem Tag mehrere Manipulationen am Kalender und Adreßverzeichnis vorgenommen, sämtliche für die am Tag zu erledigenden Telefonate wurden nachgeschlagen und schließlich wurden 3 lange Interviews an einem Tag mitprotokolliert (alleine dabei war der HPC rund 2 Stunden permanent eingeschaltet). Der Lithiumionen-Akku machte keinerlei Probleme und hätte wohl noch ein wenig länger mitgespielt. Selbst der Test mit einem 56 k-Modem fiel zufriedenstellend aus: Ein einstündiger Internet-Dauertest halbierte die Batterieleistung nicht einmal. Nachdem man aber unterwegs meist vom Hotelzimmer aus arbeiten wird (denn irgendwie muß man ja ins Telefonnetz), fällt der doch beträchtliche Energieverbrauch des Modems nicht so ins Gewicht. Und jene User, die das Gerät mit einer GSM-Karte und einem Handy verwenden wollen, werden angesichts der Telefonkosten wohl nur kürzere Emails verschicken wollen. Dafür reicht die Akkuleistung in jedem Fall aus.

Resümee: Der HP 620 LX kostet ca. 17.000 Schilling und ist damit eher am oberen Ende der Preisskala angesiedelt. Dennoch hat das Gerät einige Features, die ihm einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft: Vor allem die hervorragender Qualität des Farbtouchscreens fällt auf. Durch die Größe des Geräts - die auf den ersten Blick von Nachteil erscheint - brachten die Ingenieure von HP eine große Tastatur unter, die es nach einiger Übung ermöglicht, auch längere Texte zu schreiben. 13 Funktionstasten ermöglichen einen direkten Zugriff auf alle wichtigen Gerätefunktionen und die Software. Die Erweiterung des HP-Handheld PCs erfolgt über drei Schienen: PC-Karten (Modem, VGA-Karte), CompactFlash-Karte zur Speichererweiterung sowie ein ROM/RAM-Erweiterungsschacht. Der Autor gibt bekannt: Ich habe das Ding jedenfalls gekauft.


Windows CE 2.0

Microsoft hat Windows CE 2.0 Mitte Oktober vergangenen Jahres vorgestellt. Bei der Comdex in Las Vegas war Windows CE 2.0 ein Schwerpunkt am Microsoft-Stand (der Monitor berichtete). Craig Mundie, Vizepräsident der Consumer Platforms Devision wird in einer Microsoft-Presseausendung wie folgt zitiert: "Nachdem die Handheld-PCs nun ein Jahr am Makrt sind, haben wir viel darüber gelernt, wie die Konsumenten diese Geräte benützen. Wir reagieren, indem wir Farbe und Pocket PowerPoint zu Windows CE hinzufügen".

Windows CE 2.0 wurde gegenüber der Version 1.0 folgendermaßen verbessert:

Farbe wurde hinzugefügt, die Graustufen-Unterstützung verbessert, TrueType-Font Unterstützung eingebaut. Zudem wurde eine Reihe von Connectivity-Verbesserungen in Windows CE 2.0 integriert, etwa Ethernet-Unterstützung oder Druckerunterstützung. Die Sicherheit des Pocket-Internet-Explorer wurde verbessert, das Mail-System unterstützt nun Email-Attachments. Besonders Wert gelegt hat man in Redmond, wo sich der Microsoft-Campus befindet, auf eine einfachere Datensynchronisation. War es vorher nur möglich, die Daten vom HPC auf den PC herunterzuladen oder vom PC auf den HPC zu übertragen, sorgt nun ActiveSync dafür, daß alle Kalender-, Aufgaben- oder Adreß- und Telefondaten zwischen HPC und PC synchronisiert werden. In der Praxis ist dies die wichtigste Verbesserung zu Windows CE 1.0. Leider funktioniert diese Technologie derzeit nur mit Outlook oder Schedule 7.0+, was Lotus Organizer-Fans (oder Anwender anderer Termin- und Adreßverwaltungssysteme) weniger freuen wird. Pocket PowerPoint wird nun ebenfalls mit Windows CE 2.0 ausgeliefert. Dieses Programm ist allerdings eine wesentlich abgespeckte Version von PowerPoint. Es ist lediglich möglich, kleinere Veränderungen in der Präsentation vorzunehmen, was allerdings kein besonderer Nachteil ist, wer möchte schließlich eine Präsentation auf einem 640 x 240 Pixel LCD-Monitor erstellen? Pocket Word und Pocket Excel wurden verbessert, Word verfügt nun über eine Rechtschreibprüfung, die Lesbarkeit der Daten in beiden Programmen wird durch verschiedene Funktionen verbessert.

Eingebaute Applikationen in Microsoft Windows CE 2.0 :

  • Microsoft Pocket PowerPoint: Bitte beachten Sie, daß Sie zur Verwendung dieses Programms Microsoft PowerPoint 97 auf ihrem PC haben müssen.
  • Microsoft Pocket Outlook (Kalender, Aufgaben, Kontakte, InBox)
  • Microsoft Pocket Word (Inklusive Rechtschreibprüfung, Tabellen und allen wichtigen Word-Funktionen)
  • Microsoft Pocket Excel (Inklusive Zoom, Datenbankfunktionen, Sortieren und allen wichtigen Excel-Funktionen)
  • Microsoft Pocket Internet Explorer (Inklusive Secure Server, Frames und Download)
  • Remote Networking (zum PPP Server)
  • Terminal Emulation (TTY, VT-100)
  • Taschenrechner

HP liefert folgende Applilikationen mit:

  • bFAX Pro (Empfang und Versand von Faxen)
  • bFind (Globale Suche in allen Files des HPC)
  • Finanzrechnung, Einheitenkonvertierung
  • Month-at-a-Glance Plus (eine sehr nützliche Erweiterung von Pocket-Outlook: Ein Monatskalender. Der einen guten Überblick bietet)
  • Audio Aufzeichnung
  • Quick Settings (Schnelle Einstellung aller wichtigen Gerätefunktionen wie etwa Helligkeit und Kontrast des LCD-Screens, Lautstärkeregler, etc.), Weltzeituhr, Solitaire

Zusätzliche Software auf CD-ROM

Microsoft Windows CE Services 2.0 (Desktop PC Software: Sorgt für die Verbindung zwischen Windows 95 oder Windows NT4.0 mit dem Palmtop PC; Drag-and-Drop Dateiaustausch zwischen HPC und PC)

  • Schedule+ 7.0a
  • Synchronisierungs Utility (Synchronisiert Desktop und Palmtop-Daten, die im Schedule+ 7.0a und/oder Microsoft Outlook eingetragen wurden. Auf diese Art und Weise sind die Daten immer auf beiden Geräten auf dem aktuellen Stand.
  • HP 100/200LX und HP OmniGo 100/120 Übersetzungssoftware (für Kalenderdaten und Adress- und Telefonnummerninformation nur bei HP)

P.S.: Auf der Microsoft-Homepage www.microsoft.com/windowsce/default.asp gibt es nette Gratis-Downloads für Windows CE 2.0, etwa Pocket Streets mit Straßenkarten aller wichtigen Großstädte der USA, auf daß man mit seinem HPC nicht in den Straßen von San Francisco verlorengeht.


Vergleichbare Produkte

Velo 500 von Philips

Der Velo 500 ist mit einem 75MHz, 32-bit Philips PR31700 RISC Prozessor ausgestattet. Speicher: 16MB EDO DRAM und 16MB Fast Page Mode ROM. Zwei weitere Industrie-Standard Slots für mehr DRAM, Flash Memory oder ROM Software Upgrades. 8MB DRAM sind im 24MB Velo 500 vorinstalliert. Der Velo 500 verfügt leider nur über einen 640 x 240 Graustufen-LCD-Schirm. Bei einem Gerät dieser Leistung wäre ein Farb-LCD angebracht. Der Velo verfügt auch über ein eingebautes Mikro und einen Lautsprecher. Als Besonderheit ist in den Velo 500 ein 28.8 Kbps V.34 Daten/Fax Modem eingebaut. Die eingebaute Infrarot-Schnittstelle erlaubt Kommunikation mit anderen Handheld-PCs, und Infrarotfähigen Druckern und PCs. Die Kommunikation mit dem PC erfolgt über die Serielle (RS-232) Schnittstelle mit einer Geschwindigkeit von bis zu 230Kilobyte pro Sekunde. Die Stromversorgung erfolgt mittels Nickelmetallhydridakkus.

Sharp HC-4500G mit 8 MB und Farbdsiplay, HC-4000G mit 4 MB und HC 4100G mit 8 MB (beide mit Schwarzweißdisplay).


Sharp versucht die Attraktivität von HPCs vor allem mit Multimediafähigkeiten zu steigern. Alle Sharp-Modelle sind mittels einer PC-Card um eine digitale Kamera (CE-AG04) erweitertbar. Mit dieser Kamera kann man digitale Bilder nicht nur aufnehmen, sondern diese auch mit einem PC austauschen, man kann den Bildern Audioaufnahmen beifügen und diese als Multimedia-eMail verschicken. Überall dort, wo Fotodokumentation unverzichtbar ist (zum Beispiel für Makler, Ingenieure oder auch in den Bereichen Versicherungen und Sicherheitsdienste) ist die Kombination HPC- Digitalkamera optimal. Die Kamera nimmt die Bilder mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln und 16,7 Millionen Farben auf. Die Bilder können von der Digitalkamers oder aus dem Internet geladen und bearbeitet werden. Die Fotoaufnahmen mit der digitalen Kamera können um gesprochene Texte ergänzt und einem Email beigefügt werden.


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