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InsideIn 3/98

Gates Watch

von Evan Mahaney
übersetzt von Peter Wansch

Cowboys helfen Microsoft

Ein "Cowboy-Richter" könnte das beste sein, was Microsoft seit langem passiert ist, denn die Nummern, die der aktuelle Richter so abzieht, werden Bill Gates die Zeit geben, die er braucht um ein bißchen Geld in Washington und diversen politischen Lagern zu verteilen.

Der Begriff "Cowboy-Richter" ist Straßenjargon und steht für einen Richter mit stark ausgeprägten Überzeugungen oder stark ausgeprägter Pressegeilheit. Unglücklicherweise - für diejenigen, die Microsoft gerne eingebremst gesehen hätten - könnte Richter Thomas Jackson zum unfreiwilligen Retter von Bill Gates werden.

Richter Jackson verprellte während einer Untersuchung über die Trennung von Internet Explorer und Windows 95 einige Abgesandte von Microsoft. Der Zankapfel war, ob sein Sachverständiger unparteiisch sein konnte oder nicht. Der Richter hatte den Harvard Law School-Professor Lawrence Lessing als Sachverständigen geholt. Lessigs Aufgabe war das Sammeln und Bewerten von Material und das Erstellen eines Gutachten bis 31. März.

Microsoft hat angefochten, daß Lessing unparteiisch ist. Lessigs Glaubwürdigkeit wurde sehr in Frage gestellt als bekannt wurde, daß er einige E-Mails an Netscape-Bosse geschickt hatte, die abfällige Äußerungen über Microsoft enthalten.

Richter Jackson weigerte sich, Lessig wieder abzuberufen und zwei Tage später erhob Microsoft dagegen Einspruch. Nur zwei Wochen später wurde Jacksons Entscheidung von drei Richtern im Berufungsgericht rückgängig gemacht. Das Berufungsgericht willigte ein, Argumente für die Abberufung Lessigs zu hören. Der Termin dafür ist der 21. April 1998 - was auch das Datum einer anderen Anhörung eines weiteren Einspruchs von Microsoft gegen ein anderes Urteil von Jackson ist. Microsoft hat auch bereits seine Bereitschaft telegraphiert, in Zukunft gegen jede Entscheidung des Richters mit der großen Klappe Einspruch zu erheben. Richter sollten eigentlich ausreichend Geduld und Vernunft für ihren Beruf mitbringen. Das hat Jackson gründlich vermasselt.

Alles in allem bedeutet das die vorläufige Neutralisierung des Verfahrens durch Microsofts frühe Berufungstaktik. Das bedeutet kein weiteres Vorgehen in den nächsten Monaten. Zeit genug für Gates, ein paar Beiträge zur Politik zu leisten (=Geld).

Auf lange Sicht werden Richter aber sowieso wenig Ausschlag geben. Das Spiel wird im Kongreß, im weißen Haus und in den verschiedenen Ministerien laufen, wie Justiz, Wirtschaft, Unterricht und anderen, die Gates behilflich sein können.

Bill Gates kann manchmal ganz schön naiv sein. Zum Beispiel verpennte er vor zwei Jahren das Internet. Er übersah einfach die Wichtigkeit des neuen Booms. Es erwischte ihn am falschen Fuß, zu einem Zeitpunkt, als er dachte, das wäre alles Zukunftsmusik. Als er dann endlich aufwachte, riß er Microsoft von einem Moment auf den nächsten herum. Was er nicht selbst hatte, um sich am Internetmarkt zu behaupten, kaufte er sich. Er öffnete das Scheckbuch und fing an, viele Ziffern einzusetzen. Zwei Jahre danach sind Microsoft und Internet Synonyme.

Gates wird das gleiche mit Washingtoner Politikos wiederholen. Der Berufungsprozeß gegen einige von Richter Jacksons Urteilen wird ihm Zeit geben, große Schecks auszustellen.

Im Augenblick spielt er schon Gelddruckmaschine. Er hat zwei Gruppen von Lobbyisten in Washington angeheuert - eine aus dem demokratischen, die andere aus dem republikanischen Lager. Das Wettrennen ist im Abgeordnetenhaus und Senat schon in vollem Schwung und wird im November entschieden werden. Microsoft-Dollars werden ihren Weg zu vielen Komitees und praktisch jedem halbwegs tüchtigen Kanditaten finden.

In einem Jahr wird Gates Washingtons Top-Lobbyisten auf seiner Seite haben. Abgeordnete und Senatoren werden ihm gerne unter die Arme greifen. Ministerien werden nach seinem Geld, seiner Unterstützung und seiner Sachkenntnis lechzen. Das Justizministerium wird mit ihm Frieden schließen. Microsofts Anwälte werden keinen Vertrag mehr aus der Hand geben, ohne vorher sichergestellt zu haben, daß er mit Regierungsparametern konform ist, die ihre eigenen Lobbyisten mitgestaltet haben.

Genau wie er vor zwei Jahren Geld auf das Internet geworfen hat, wird Gates jetzt Geld auf alle werfen, die das Getriebe der Regierungsgeschäfte in Schwung halten. Das Resultat wird das gleiche sein - wieder ein Sieg für Microsoft. Gates wird auch der Politik in Gegenden wie Paris, Bonn, Venedig, Moskau, Beijing, Rom oder London mehr Aufmerksamkeit schenken.

In zwei Jahren wird Gates sich nicht einmal mehr an den Namen von Richter Thomas Penfield Jackson erinnern. Er wird dafür die Namen der Kongreßabgeordneten von kleinen Provinzsprengel und der Senatoren von jedem Bundesstaat sehr genau kennen. Sie alle werden auf seiner Spendenliste stehen. Industriekapitäne lernen so etwas immer - langsam zwar, aber zuverlässig und überzeugend.

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