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InsideIn 3/98

Dialog mit Nicolas Negroponte

FRAGE: Vor kurzem wurde mein Laptop gestohlen, und mit ihm Firmendateien, persönliche Manuskripte, E-Mail und anderes vertrauliches Material - ein wirklich verheerender Verlust. Fordert es das Schicksal heraus, sein ganzes Leben in einer einzigen Maschine gespeichert zu haben?

- Frederick N., Berlin, BRD

ANTWORT: Herzliches Beileid. Das muß wirklich schlimm sein. Der Vorfall macht aber zwei Probleme deutlich, die gesondert behandelt werden müssen.

Das eine ist, daß man immer für alles eine Sicherungskopie haben sollte. Sehr oft ist es so, daß Ihre Daten für jemand anderen wertlos sind, der Verlust für Sie aber schlimme Folgen haben kann. Ich kenne eine Firma (www.XXX.YYY), die bietet ein Service an, daß jeweils um Mitternacht Sicherungskopien von Computern anlegt. Das stellt sicher, daß die Benutzer Kopien haben, sollten die Computer kaputtgehen oder gestohlen werden.

Das andere Problem ist das der Verschlüsselung - eine Technik, die ausschließt, daß jemand ohne Paßwort oder einen sogenannten "Schlüssel" Daten lesen kann. Im Augenblick sind die meisten Verschlüsselungstechniken viel zu umständlich. Aber mit zunehmendem Bedarf durch Leute wie Sie werden die Hersteller sie ohne Zweifel nützlicher und benutzerfreundlicher machen.

FRAGE: Was sagen Sie zum "Jahr 2000 Problem?" Wird es wirklich zu einer großen Katastrophe kommen, wie viele behaupten? Wie haben wir nur so dumm sein können, das nicht vorherzusehen? Haben wir wirklich angenommen, Computer würden nur wenige Jahre verwendet werden, und nicht bis hinein ins nächste Jahrhundert?

- Maria Fernandez Jarslov, Palma de Mallorca

ANTWORT: Im nachhinein hat man leicht reden. Hier muß man einsehen, daß Computerspeicher in den 50ern so teuer war, daß die Leute alles getan haben, um möglichst wenig davon zu brauchen. So gesehen war es ganz natürlich, 1955 (vier Ziffern) als "55" (2 Ziffern) darzustellen - eine Einsparung von 50 Prozent.

Sehen Sie sich nur den Großteil der Formulare an, die man so ausfüllt, und die das Angeben von Tag, Monat und Jahr erfordern - wahrscheinlich hat es nur zwei Kästchen für das Jahr. Es ist wenig wahrscheinlich, daß man einen Maturajahrgang von "33" mit 2033 verwechselt, wenn der Maturant 1913 geboren ist.

Für Computer ist das Problem aber sehr ernst zu nehmen. Die Anzahl der Jahre, die zwischen 90 und 97 vergangen sind, beträgt sieben - wenn man einfach die 90 von den 97 abzieht. Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der Jahre, die zwischen 97 und 04 vergangen sind, nach der selben Methode -93.

Viele Menschen werden in der Lage sein, ihre eigene Software zu korrigieren - und so ihre eigene "Milleniumbombe" zu entschärfen. Auf der Ebene großer Firmen aber ist man von Hard- und Software abhängig, die andernorts hergestellt wurde und von der unbekannt ist, ob sie das Problem richtig behandelt oder nicht.

Sie werden sehen, eine ganze neue Versicherungsindustrie (von Anwälten und Prozessen gar nicht zu reden) wird dadurch entstehen. Das sollte uns zwar nicht wirklich beruhigen, es ist aber tatsächlich ein Problem.

FRAGE: Was halten Sie von WebTV? Wird das abheben? Wird es das alte Fernsehen ersetzen? Ich habe Reklamen gesehen, in denen Leute von Fernsehprogrammen auf das Internet umschalten, um ihre eigenen ad-hoc-Nachforschungen über das gezeigte zu betreiben. Ehrlich gesagt, ich finde das albern.

- Joe Philipin, Los Angeles

ANTWORT: WebTV wurde von einem jungen Mann namens Steve Pearlman sehr schön entworfen. Er lebt heute in Palo Alto in Kalifornien. Zufälligerweise kannte ich ihn, als er noch ein Teenager in New York City war und einen Ferienjob als Programmierer bei Dun & Bradstreet hatte.

Zwanzig Jahre später erfand er WebTV und gründete eine Firma, um es zu vermarkten, denn Apple und andere wollten die Erfindung nicht. Heute hat Microsoft seine Firma gekauft - für 400 Millionen Dollar.

Ich stimme zu, zwischen Fernsehprogramm und Webdaten hin- und herzuschalten ist wirklich albern. WebTV als ein Vehikel dafür darzustellen, verfehlt aber das Thema. Der wirkliche Unterschied zwischen WebTV und der Benutzung des Web von einem PC aus ist liegt im Unterschiedlichen "Erleben der Inhalte."

Ein PC erfordert so etwas wie Einsiedelei und aufrechtes Sitzen, die Daten sind 30 cm vor Ihrer Nase. Im Gegensatz dazu ist Fernsehen geselliger, oft ist man dabei in einer kleinen Schar von Leuten, vielleicht hängt man einfach nur so herum und fast immer ist die Bildfläche weiter weg, als man mit dem Arm erreichen kann. Das ist die Veränderung, die WebTV ins Internet bringt.

Und noch etwas: vergessen Sie bitte das "Surfen", wie wir es heute kennen. Das ist eine vorübergehende und lausige Art, etwas zu finden. In Zukunft werden die Websites Sie finden (durch "Push Technology") oder Ihre Software wird die Sites finden, von denen sie "weiß", daß Sie an ihnen interessiert sind.

FRAGE: Wir haben im Büro E-Mail, aber sie geht an nur eine einzige Adresse. Man muß dafür zu einem anderen Terminal gehen und es ist meistens sehr viel davon da. Es ist wirklich ein Krampf. Vieles wird von anderen Leuten gelöscht, weil sie denken, es wäre nicht wichtig. Was soll man da machen?

- bartax@aol.com

ANTWORT: Wenn Sie an einen bestimmten Ort gehen müssen, um Ihre E-Mail zu bekommen, haben Sie ein Problem. E-Mail kann und soll in Zeit und Raum verschiebbar sein. Sie sollten Ihre E-Mail zu Hause, im Auto, in der Firma, im Flugzeug, am Strand, im Bett, wo immer SIE wollen, lesen können.

Ihre Frage läßt mich die Verwendung eines Computersystems annehmen, das vor der heutigen Durchdringung des Büroalltags von E-Mail angeschafft wurde - vielleicht ein altmodisches Textverarbeitungs- oder Seitenlayoutsystem. Haben Sie vielleicht so eine alte Technologie geerbt? Hat Ihre Firma zu viel Geld in die Software investiert, um sie jetzt einfach wegzuschmeißen? Glauben Sie mir, diese antiquierten Applikationen werden viel schneller verschwinden als der Bedarf nach E-Mail, die in Raum und Zeit, Arbeit und Freizeit verschiebbar ist.


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