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Goldrausch im
Namensraum

von Bill Gates
übersetzt von Reinhard Gantar

Ein Broker für Internet-Domainnamen setzt "billgates.com" für eine Million Dollar auf die Preisliste. Wie ich höre, wird diese Internetadresse schon seit Monaten zum Verkauf angeboten, aber bisher hat sich noch kein Interessent gefunden.

Vielleicht sollte ich mich dadurch geschmeichelt fühlen, immerhin gibt es jemanden, der meinen Namen für so viel wert hält, obwohl ich selbst diesen Namen vor 42 Jahren von meinen Eltern ganz umsonst bekommen habe.

Viele Domainnamen mit astronomischen Preisschildern sind schon sehr lange am Markt, und werden, wie billgates.com, vielleicht nie verkauft werden. Warum sollte jemand 135.000 Dollar für childsplay.com, 300.000 Dollar für treesco.com oder 1.5 Millionen für digitalimagery.com zahlen?

Auf der anderen Seite hat sich ein Markt für Domainnamen entwickelt, die ein paar hundert oder sogar ein paar tausend Dollar kosten. Ich kennen jemanden, der einem Broker 225 Dollar für farside.com bezahlt hat, den er dann einem Freund, dem Cartoonisten und Schöpfer der Farside-Comics, Gary Larson, schenkte.

Die Preisgestaltung für Domainnamen bewegt sich oft zwischen 500 und 2000 Dollar, und es ist nicht ungewöhnlich für wirklich gute Namen 5000 Dollar oder mehr zu kassieren. Ein Verlagshaus zahlte 7000 Dollar für search.com und 15.000 für tv.com. Ab und zu wird ein Name für viel mehr verkauft; business.com ging angeblich für 150.000 Dollar über den Ladentisch.

Die große Mehrheit der Domainnamen, die bisher in den USA ausgegeben wurde, hat ihre neuen Besitzer nur 100 Dollar pro Stück gekostet - die Gebühr, die Network Solutions (rs.internic.net) für das Registrieren eines unbenutzten Domainnamen verlangt.

Um einen Namen für 100 Dollar zu bekommen, muß man die erste Person oder Firma sein, die ihn anmelden möchte, und man muß den Namen gegen Rechte Dritter verteidigen, wenn der Name einer registrierten Wortmarke ähnlich ist. Die Gerichte haben beim Einziehen von Domainnamen, die eine Wortmarke anderer Leuten sind, viel guten Willen und Verständnis gezeigt.

Die Zusammensetzung von Domainnamen kann etwas verwirrend sein, wenn man das System, das dahintersteckt, nicht kennt.

Ein Domainname besteht aus einem Wort oder einer anderen Reihe von Buchstaben, gefolgt von einem Punkt und einem Wortschnipsel, das als "top-level domain name" bekannt ist, meistens ist das "com". Weitere Worte oder Buchstaben können Teil einer Webadresse sein, aber die sind dann nicht Teil des eigentlichen Domainnamens. Wörter oder Zeichen, die einem Schrägstrich nach dem top-level Domainnamen folgen, sind auch nicht Teil dieses Namens.

Beispielsweise ist der Domainname meiner Firma microsoft.com. Es ist Teil der E-Mail-Adresse, unter der ich Leserfragen dieser Kolumne beantworte: askbill@microsoft.com

Man kann mit einem Browser die Website meiner Firma entweder durch Eintippen von microsoft.com oder www.microsoft.com erreichten - das "www" ist dabei aber nicht Teil des Domainnamens. Man kann meine persönliche Website durch Angabe von microsoft.com/billgates erreichen, aber "billgates" ist ebenfalls nicht Teil des Domainnamens.

Die beliebtesten und verbreitetsten Namen sind die unter dem Top-Level ".com". Das ist die Abkürzung für "commercial", also "geschäftlich". Andere Top-Level Domainnamen können zu "net" für Network, "org" für "Organisation" oder "edu" für "education" (Schulen und Universitäten) gehören. Dazu können noch eine Reihe von zweibuchstabigen Domainnamen für Websites in bestimmten Ländern kommen. Beispielsweise steht ".jp" für Japan, ".it" für Italien, ".fr" für Frankreich und ".us" für USA - obwohl die .us Domain nur selten verwendet wird. Jedes Land hat seine eigene Methode, um die Registrierungen abzuwickeln.

Die nicht-geographischen Domains wie .com werden unter der Aufsicht der Regierung der Vereinigten Staaten vergeben - das hat den schlichten Grund, das der Großteil der ursprünglichen Finanzierung des Internet von der National Science Foundation kam, einer Regierungsinstitution. Die amerikanische Regierung hat vor, diese Aufsicht einer Non-Profit-Organisation zu überlassen, ein vernünftiger und erfreulicher Entschluß. Auf lange Sicht wird es wichtig und notwendig werden, diese Regulierung zu internationalisieren - das Internet ist ja ein internationales Medium.

Das Wachstum in der Registrierung von Domainnamen ist verblüffend. Bis zum März 1995 waren in den USA nicht mehr als 53.500 Domainnamen angemeldet. Heute werden in einem einzigen Monat 125.000 neue Namen registriert und die Gesamtzahl liegt bei 2 Millionen in den USA und möglicherweise 1 Million außerhalb. Mit so vielen Namen in Verwendung kann das Feld der verfügbaren .com-Namen schon ganz schön leergepflückt aussehen. Viele der plausiblen Namen sind schon weg, und viele der gar nicht so plausiblen auch. Ich habe willkürlich einen Buchstaben ausgewählt - B - und herausgefunden, daß folgende Domainnamen schon registriert sind: b.com, bb.com, bbb.com bbbb.com, bbbbb.com, bbbbbb.com, bbbbbbb.com und bbbbbbbb.com.

Manchmal verweisen mehrere Domainnamen zu einer einzigen Site. Beispielsweise kann man sich Babynamer.com, eine Website, die sehr viel Information über Vornamen gibt, auch unter namer.com, www.namer.com, babynamer.com, baby-namer.com, babynames.com, namegame.com, nickname.com und noch einigen anderen Adressen ansehen. Sie alle verbinden einen mit dem gleichen Ort - eine gute Strategie des Betreibers, aber auch eine, die viele Namen verbraucht.

Vor der Tür stehen einige umstrittene Pläne, um die Anzahl der möglichen Domainnamen auszuweiten, aber ich glaube, man sollte hier vorsichtig sein. Wir sollten bei der Eröffnung riesiger neuer Namensfelder nichts überstürzen. Es ist aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sehr wichtig, daß das Internet weiterhin gut funktioniert.

Wenn plötzlich ganze Kontinente von neuem Namensraum erschlossen werden, müssen die Eigentümer von Wortmarken an mehreren neuen Fronten gleichzeitig um ihre Rechte an ihren Namen streiten - eine gewaltige Investition, die sich viele kleinere Firmen nicht leisten können und die sich eigentlich keine Firma "leisten können müssen sollte". Es würde auch unter Webbenutzern Verwirrung stiften, die dann nicht mehr sicher sein können, ob sie zur Walt Disney-Site unter disney.com (wo sie tatsächlich zu finden ist), disney.web, disney.fun, disney.kids, disney.info, disney.family oder was auch immer kommen.

Sollten Sie sich einen Domainnamen kaufen?

Wenn Sie Verwendung für einen Namen haben und dieser Name billig zu haben ist, dann ja.

Wenn Sie auf der anderen Seite einen Namen als Spekulationsobjekt erwerben wollen, bewegen Sie sich auf sumpfigem Gelände. Wenn der Name bereits als Wortmarke registriert ist, rechnen Sie nicht damit, den Namen weiterverkaufen zu können. Bedenken Sie, daß es oft Dutzende von Namen gibt, die für eine bestimmte Website tauglich sind, ein Umstand, der den Wert eines spezifischen Namens stark einschränkt. Behalten Sie auch im Auge, daß die meisten - wenn nicht sogar alle Webadressen - durch intelligentere Browser und andere Software ihren Wert nach und nach einbüßen werden. Die Leute werden automatisch zu den Websites weitergeleitet werden, zu denen sie vermutlich wollen - Franzosen zum Beispiel zu französischen Websites.

Wenn man heute yellowcab.com (in den USA ist die Farbe amtlich angemeldeter Taxis gelb) in seinen Browser tippt, landet man bei einer Taxifirma in Los Angeles. Das Web wird aber zunehmend personalisiert und es ist nur eine Frage der Zeit, bis man durch yellowcab.com zum nächsten Taxiunternehmen in der eigenen Gegend kommt, oder zu dem, das man früher schon einmal kontaktiert hat.

Wenn dieser Tag dann da ist, wird es nicht mehr so wichtig sein, ob es da noch dutzende andere Firmen mit yellowcab.com im Domainnamen gibt - vorrausgesetzt, es werden keine Rechte an Wortmarken verletzt. Bis dahin werden manche Webadressen aber noch eine heiße Ware sein.


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