E-Mail gelesen
und beantwortet von Bill Gates
übersetzt von Peter Wansch

Frage: Wenn man in einem sich so rasch ändernden technischen Umfeld bewegt wie Sie, muß man doch sehr oft in Streßsituationen geraten. Haben Sie eine persönliche Methode um solche Situtationen zu bewältigen? Robert Walker, Victoria, Kanada (rjwalker@moh.hnet.bc.ca)

Antwort: Wenn etwas passiert, was mich wirklich überrascht, trete ich einmal einen Schritt zurück um nicht von dieser emothionallen Flutwelle des Moments erfaßt zu werden. Eine Überraschung, im speziellen eine nicht willkommene oder belastende Überraschung löst unmittelbar eine emotionalle Reaktion aus. In solchen Situationen unterdrückt man am besten diese Reaktion so gut als möglich oder versucht zu verstehen, warum man sich so fühlt. Stress hat viele Gesichter. Angefangen bei einer vagen Erwartungshaltung die man bei einer Herausforderung hat, die einen reizt bis zur Besessenheit von einer Sache, die einen schwächt. Läßt man es zu, so kann Streß das logische Denkvermögen durchaus negativ beeinflussen.

Streß kann die Leistungsfähigkeit reduzieren, die Offenheit für neue Ideen einschränken und einen viel weniger mitfühlen lassen. Wenn ein Problem ansteht, beurteile ich zuerst einmal meinen emotionalen Zustand, bevor ich reagiere. Manchmal kann ich sofort eine vernünftige Entscheidung treffen, andere Male sage ich mir "Es wird halt eine Weile dauern bevor ich meine besten Ideen zu dieser Situation habe.". Glücklicherweise empfinde ich nicht viele Dinge als belastend. Sitzungen verurachen keinen Streß in mir. Wenn ich zu einem Meeting nicht viel beitrage, sage ich mir meistens "Ich glaube, mein Hirn funktioniert heute nicht.".

Aber nach einigen solcher Meetings hintereinander, werde ich schon selbstkritisch und frage mich, ob ich zu wenig geschlafen habe oder was mit mir los ist. Aber Streß fühle ich keinen. Es verursacht mir auch keinen Streß wenn ich vor einem großen Publikum sprechen muß. Es macht mir etwa nichts aus eine Ansprache bei der Comdex zu halten, so lange es keine unangenehmen Überraschungen in letzter Minute gibt. Es wird stressig, wenn es so aussieht als ob keine der Software Demos funktionieren würde, oder wenn jemand 5 Minuten vor einer Rede zu mir kommt und sagt "Übrigens, könntest Du das bitte Deiner Rede hinzufügen?". Es kann für mich Streß bedeuten, wenn jemand in mein Büro kommt, und sagt er kündigt, oder wenn ein Mitbewerber ein Produkt auf den Markt bringt, daß unseres wegfegt, oder wenn wir einen großen Kundenauftrag verloren haben.

Aber was die Arbeit betrifft, so ist nur die Erwartungshaltung, die manche an Microsoft haben, eine gewisse Belastung für mich. Es belastet mich, daß jeder glaubt Microsoft wird weiter so rasch wachsen, und daß wir die Dinge auch in Zukunft noch genau so gut machen werden. Und es ist auch ein wenig belastend, daß diese Leute genauso bereit sind uns in der Luft zu zerreissen, wenn wir deren Erwartungen einmal nicht erfüllen. Diese Belastungen bereiten mir aber keine zu großen Kopfschmerzen. Ich versuche lediglich meine Reaktion darauf zu verstehen.

Frage: Wenn Sie die Antwort auf nur eine einzige Frage bekämen, was würden Sie dann fragen? Ken Reimer (kreimer@ix.urz.uni-heidelberg.de)

Antwort: Ich würde gerne verstehen, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Falls es eine Maschine für eine solche Frage geben würde, würde ich genau diese stellen. Das menschliche Gehirn und seine Lernfähigkeit fasziniert mich unendlich. Mich fasziniert wie ein Kind eine Sprache lernt, welchen Ursprung Fehlfunktionen des Gehirns wie Autismus haben, und wie etwa Gerüche im Hirn Emotionen auslösen können. Ich lese sehr gerne über das Gehirn, dessen Geheimnissen noch zu den rätselhaftesten in der Wissenschaft zählen.

Frage: Was für einen Computer verwenden Sie? Haben Sie das aktuellste Modell oder nur einen Durchschnittsrechner? Steven Coolen (Coolen@NS.Sympatico.ca)

Antwort: Die Frage nach meinem Computer habe ich in einer meiner ersten Kolumnen Anfang 1995 beantwortet. Meine Antwort fällt jetzt ein wenig anders aus, aber doch nicht ganz. Damals verwendete ich einen 486er Laptop Computer mit 12 MB Ram und einer 240 MB Festplatte, den ich immer vom Büro nach Hause und umgekehrt getragen habe. Zu Hause habe ich mich dann über ISDN in das Firmennetzwerk von Microsoft eingewählt. Ich hatte sowohl zu Hause als auch im Büro eine Docking Station, an die ich den Laptop anschließen konnte, womit ich einen normal großen Monitor, eine Tastatur und eine Maus zur Verfügung hatte. Wenn ich unterwegs war, habe ich lediglich das eingebaute Display, das Keyboard und einen Trackball verwendet.

Nach dieser Kolumne haben mich viele Leute gefragt, warum ich keinen Pentium verwende? Ich hatte damals einen 486er weil die meisten Kunden auch noch einen 486er hatten und ich wollte mit denselben Dingen konfrontiert sein, mit denen auch ein normaler Endanwender konfrontiert ist. Das ist eine sehr übliche Vorgehensweise bei Microsoft. Als Brad Silverberg die Leitung über die Entwicklung von Windows 3.1 und Windows95 hatte, bestand er darauf, daß die Programmierer ältere Maschinen verwenden, damit sie quasi aus erster Hand sehen, wie der typische Anwender damit arbeiten würde.

Ende 1996 als der Pentium der Standard Prozessor wurde, habe ich mir einen neuen Pentium Laptop geleistet, und ich war über die verbesserte Leistung sehr erfreut. Obwohl sich mein Computer in den letzten 2 Jahren geändert hat, haben sich aber andere Dinge nicht geändert. Ich trage meinen Laptop noch immer zwischen Büro und zu Hause hin und her wo ich noch immer Docking Stationen habe. Ich wähle mich noch immer bei Microsoft über eine ISDN Verbindung ein. Obwohl mein Laptop ein neueres Modell ist, ist er trotzdem eher Mittelklasse, mit der Ausnahme, daß ich sehr viel Hauptspeicher habe, nämlich 48 MB. Es ist aber ein typischer PC mit einer 1.3 GB Festplatte und eine 133 MHz Pentium. Es gibt schnellere PCs, aber ich möchte eher ein durchschnittlich gutes Gerät.

Eine Sache hat sich jedoch verändert. Da das Internet mittlerweile so populär geworden ist, habe ich im Büro einen eigenen Computer mit einem sehr großen Bildschirm um im Web zu surfen. Auf diesem Schirm, kann ich vier Web-Sites auf einmal anzeigen, damit ich verfolgen kann, was meine Firma und unsere Mitarbeiter am Web so alles haben. Ein typischer Anwender braucht für das Internet eigentlich keinen eigenen Computer mit einem übergroßen Schrim und eigentlich bräuchte ich das genauso wenig, aber so habe ich den ganzen Informationsreichtum auf einen Blick, was mir gut gefällt.


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