3/97

OOP ´97

Trend zu Java und Komponenten

Achin Scharf

Im Zuge der Internet/Intranet-Diskussion ins das Interess an Java, aber auch an Komponenten-Software wie ActiveX in den letztn Monaten exponentiell gestiegen. Diesen Trend reflektiert auch die OOP97

Die Erwartungen übertroffen hat die OOP'97/Java-Expo, die vom 3. bis 7. Februar in München stattfand. Insgesamt hat sich die Teilnehmerzahl von knapp 900 an dem deutlich erweiterten Vortrags- und Tutorial-Spektrum gegenüber der Vorjahresveranstaltung um 15 Prozent erhöht.

Die Ausstellerzahl ist auf 85 Stände gestiegen (Vorjahr 65) und die Besucherzahl lag bei knapp 4000.

Das gesamte Spektrum der Objektorientierung einschließlich Java wurde in zehn parallelen Tracks, von denen sich allein drei dem Themenkomplex Java widmeten, abgehandelt. Anders als in den Vorjahren befanden sich unter den zehn am stärksten besuchten Vorträgen fünf deutschsprachige, die verdeutlichten, daß der deutschsprachige Raum einen sehr hohen Qualitäts- und Wissensstandard in der Objekttechnologie aufweist.

Das Teilnehmerbild spiegelt in immer stärkerem Maße die komplette Anwendungsbreite aus Industrie, Handel und Dienstleistung wider. Deutlich wurde eine spürbare Zunahme der Teilnehmer aus dem Finanz und Versicherungswesen, aus der Automobilindustrie sowie weiteren Dienstleistungs- bereichen verzeichnet.

Aber auch Teilnehmer aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen namhafter IT-Unternehmen waren ebenso vertreten wie das IT-Management von internationalen Großunternehmen.

Die OOP war denn auch die geeignete Plattform für die Präsentation neuer Produkte.

Neuigkeiten für Entwickler und das Web

Allegris von Intersolv nennt sich eine Sammlung von komponenten-basierten Entwicklungstools. Allegris Workshop ist eine C++-basierte Entwicklungsumgebung, mit der wiederverwendbare Komponenten und komplette Applikationen erstellt werden können. Mit Hilfe des Data Designers können Applikationsentwickler und Datenbank- spezialisten Geschäftsobjekte entwickeln und diese als Objekte in Datenbanken speichern, die ebenfalls mit dem Data Designer modelliert werden. Der Data Designer übernimmt dabei die meisten Aufgaben zur Umwandlung objektorientierter Definitionen in relationale Beschreibungen. Constructor ist ein Rapid Component Assembly-Tool, mit dem komplette Komponenten zu komplexen Applikationen zusammengesetzt werden können. Das Object Repository schließlich ist das zentrale Element innerhalb einer teamorientierten Entwicklungsumgebung. In ihm werden alle Komponenten über den gesamten Lebenszyklus einer Applikation hinweg zentral abgelegt und verwaltet. "Tools für den Zusammenbau von Komponenten gibt es zwar bereits, aber wenig Tools für die Entwicklung von Komponenten", so Intersolv-Vizepräsident Mike Gilpin. Allegris soll eben in diese Lücke stoßen. Unterstützt werden diverse Komponentenstandards wie Orbix, ActiveX, Java Beans sowie durch internes Messaging verteilte Komponenten im Internet.

Poet Software wird die gleichnamige objektorientierte Datenbank modularisieren. Erreicht werden soll damit eine flexible Anpassung an die Bedürfnisse der Entwickler und Anwender. Wesentliche technische Ergänzung im Rahmen des neuen Universal Object Server ist das neue SQL-Gateway. Es gestattet, objektorientierte POET-Applikationen auch im Zusammenspiel mit einer relationalen Datenbank zu betreiben. Eine Erweiterung auf Volltext-Retrieval ist geplant. An Komponenten-Schnittstellen sind OLE/DCOM Standard, einige Projekte laufen aber auch über Corba. Java-Binding erfolgt nach ODMG (Object Data Management Group), die Internet-Anbindung per PTML (Language Binding für HTML). "Wir wollen weg von der monolitischen Einheitslösung, in der immer mehr Features das System unnötig aufblähen. Wir streben möglichst viele Optionen und dennoch ein schlankes System an, dies wurde durch den modularen Ansatz erreicht", so Geschäftsführer Jochen Witte.

IBM zeigte neue oder weiterentwickelte Versionen der Visual-Age-Reihe für die grafische Applikationsentwicklung durch Zusammenbau von Komponenten. Visual Age für JAVA ist eine Programmierumgebung damit Debugger und Code-Browser. Nach visuellen Methoden lassen sich dami Java Applets konstruieren. Dazu gehören Java-Klassenbibliotheken und ein Data Access Builder. Letzterer erlaubt die Definition von Datenbankzugriffen mittels der Java Database Connection (JDBC). VisualAge C++ unterstützt ebenso wie Visual Age Smalltalk das teileorientierte Konstruktionsparadigma (Construction from Parts) und die Verwendung der Open Class Library, die auf vielen Plattformen (OS/2, Windows NT/95, AIX) zur Verfügung steht. Mit Team Connection für OS/2, AIX und zukünftig auch Windows NT wird Visual Age C++ teamfähig, Entwicklerteams können vom Design bis zur Produktionsreife einer Applikation zusammenarbeiten. Visual Age für Smalltalk ist bereits heute für OS/2, AIX, Windows95/NT verfügbar. Eine Version fur MVS wird noch im 1. Halbjahr 1997 zur Verfügung stehen. Visual Age für COBOL führt objektorientierte Erweiterungen und ein visuell arbeitendes Entwicklungswerkzeug für grafische Benutzeroberflächen ein. VA COBOL/2 unterstützt SOM, das System Objekt Modell.

Computer Associates zeigte die 32-Bit-Version von CA-Visual Objects, eine Entwicklungsumgebung für den professionellen Anwendungsentwickler. Die neue Version 2.0 unterstützt Windows 95 und Windows NT 4.0 einschließlich der neuen Common Controls. Darüber hinaus stellt CA-Visual Objects 2.0 auch die neuen Techniken wie OLE 2.0, ActiveX, OLE-Automation, Drag-nDrop und OLE-Dateimanagement bereit. Visuelle Editoren, Painter für Fenster, Menüs, Data Server, Icons und Images sorgen für eine hohe Produktivität. Auch die Programmierung von datenbankorientierten Applikationen ist eine Stärke von CA-Visual Objects 2.0. Auch eine systemnahe Programmierung ist durch den Zugriff auf die WIN32 API gegeben.

JChart ist laut Rogue Wave die erste Java-Bibliothek für mehrdimensionale, dynamische Businessgrafik. Mit nur zwei Zeilen zusätzlichem Programmcode kann ein Diagramm in jede Java-Anwendung integriert werden. Die Bibliothek beinhaltet Balken-, Flächen-, Linien-, Torten- und Punktdiagramme. Farben, Schrift, Skalierung, Legenden und vieles andere mehr sind vom Programmierer frei wähl- und einstellbar. Die mit JChart erzeugten 3-D-Grafiken lassen sich auch rotieren und zoomen. JChart verwendet eine flexible Model-View-Controller-Architektur, die auf dem Ereignismodell der Java Beans basiert. So laßt sich auf jede virtuelle Datenquelle zugreifen. Die Diagramme können in Echtzeit oder in benutzerdefinierten Intervallen aktualisiert werden. JChart kann in Verbindung mit dem Netscape Navigator, Sun's Hot Java und Microsoft's Internet Explorer verwendet werden.

Mit VisualWave 2.0 von Parc Place/Digitalk lassen sich dynamische Web-Anwendungen erstellen. Sie sind binärkompatibel zwischen den Plattformen Windows 95/NT, Macintosh und Power Macintosh sowie den gängigen Unix-Umgebungen wie AIX, HP-Unix, Solaris, SunOS und Digital Unix. VisualWave arbeitet mit Session-Management. Mit einem Frame-Editor lassen sich über das WWW interaktive Dialog-Anwendungen realisieren, wie man sie von Client/ServerUmgebungen her kennt. Web-Grafiken werden dabei automatisch aus allen gängigen Grafikformaten erzeugt. Mit einem Image-Editor, Business-Grafik-Funktionen und einer umfassenden Grafikbibliothek lassen sich Web-Benutzerschnittstellen mit dynamisch-generierten Darstellungen erzeugen. Unterstützt werden sowohl Java Applets als auch ActiveX-Komponenten. Durch die mehrmalige Verwendung von Applets und Komponenten läßt sich der Entwicklungsprozeß erheblich verkürzen, JavaScript- und VRML Code können auch in die Anwendungen integriert werden.

IONA gab die Portierung ihres Object Request Brokers (ORB) Orbix auf OS/390 (MVS SP5.2.2) bekannt. Orbix unterstützt derzeit 12 der wichtigsten UNIX Systeme, die Desktop-Plattformen Windows NT, Windows 95, OS/2 und Macintosh System 7.5, sowie die Echtzeit-Betriebssysteme pSOS und QNX. Orbix für MVS wurde in enger Zusammenarbeit mit BellSouth entwickelt und stellt Funktionalität und Integrationspotential des CORBA-Standards nun auch unter OS/390 in vollem Umfang zur Verfügung. Objekte auf dem Mainframe können direkt mit Objekten der Client/Server-Umgebung kommunizieren, so daß unternehmenskritische Daten und Integritätssysteme einen nahtlosen Anschluß an alle Plattformen finden, die von CORBA-konformen ORBs unterstützt werden. Über die Java-Client-Anwendung, die in einem Browser wie dem Netscape Navigator läuft, können dabei Mainframe-basierte Daten interaktiv manipuliert werden.