Gates Watch

von Evan Mahaney
übersetzt von Peter Wansch

Microsofts Flötensolist, der Rattenfänger von Redmond hat schon wieder einen Coup gelandet, der zeigt wie schwierig es ist gegen Bill Gates anzukommen.

Während die Medien über das Internet, e-mail, Web Sites etc. schwätzen, arbeiten die Marketing Leute von Gates eifrig daran, das Kerngeschäft von Microsoft, nämlich Betriebssysteme und Anwendungsprogramme auch noch in den nächsten Jahren an erster Stelle auf den Computer Desktops zu haben.

Office 97 fegt die Konkurrenz bei Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulation, Datenbanken und Präsentations-Grafikprogrammen nur so weg. Die Office Pakate von Lotus und Corel sind nur mehr weit abgeschlagen in diesem Krieg um Marktanteile. Office 97 hat sie wie ein Bulldozer in den Graben gefahren, und das für immer. Es war eigentlich gar kein richtiger Krieg.

Ein Beispiel zeigt besonders gut, warum Gates' Marketing Maschine so gut funktioniert. Die Kinko/Microsoft Werbekampagne zeigt genau, wie clever Microsoft's Marketing Strategien funktionieren.

Kinko ist im wesentlichen eine Kette von Kopier-Shops. Mit 850 Filialen auf der ganzen Welt (hauptsächlich in den U.S.A.) hat sich Kinko als gutgehendes Unternehmen plaziert, das seine Diensleistungen für kleine Firmen und Einzelpersonen anbietet. Die Shops sind immer voll und sie sind 24 Stunden geöffnet, 7 Tage die Woche. Jeder Shop hat Hochgeschwindigkeits-Kopierer, mittelgroße Kopierer und kleinere Selbstbedienungskopierer, Farbkopierer, und was man sich auf dem Sektor nur alles vorstellen kann. Sie vermieten sogar Apple Computer und PCs auf denen man ein Dokument erstellen kann, das man kopieren möchte.

Microsoft hat ein Geschäft mit Kinkos abgeschlossen um dessen Kunden Office 97 vorzustellen, und obwohl Microsoft keine genauen Angaben darüber macht, wieviele CD ROMs sie an Kinko weitergegeben haben, so werden es wohl 1 bis 2 Millionen Stück sein. Sie nennes es die Kinko 90 Tage Testversion, die man für nur 4.99$ kaufen kann.

Und diese CD ROMs gehen weg wie die warmen Semmeln. Mitte Februar hatten bereits einige Kinko Filialen keine mehr auf Lager. Es war für jeden ein guter Deal. Microsoft hatte seine Standard Office 97 Version auf der CD ROM (Word 97, Excel 97, PowerPoint 97 und Outlook 97). Es kostet lediglich 5$ die Office Suite auszuprobieren und Kinkos kann die 5$ behalten.

Am 1. Juli 1997 wird diese Demo-Version nicht mehr funktionieren. Dann muß man entweder Office 97 direkt von Microsoft kaufen, oder wieder seine alten Programme verwenden. Sie können sicher sein, daß es im July einige Spezialangebote und Vergütungsaktionen gibt.

Aus der Erfahrung weiß man, daß 80% der Leute, die Software ausprobieren, diese auch kaufen. der Verkauf von 800,000 Office 97 Suites ist jedoch nicht der eigentliche Punkt. Es handelt sich nämlich in Wirklichkeit um eher 800,000 hoch 10 verkauften Lizenzen, die diese Werbeaktion einbringen wird. Alleine schon die Verbindung Office 97 und Kinkos ist die beste Werbung für ein solches Produkt. Und diese 1 bis 2 Millionen CDs werden auch an andere Kunden wie Shareware weitergegeben werden.

Aber was man sich vor allem bewußt machen muß, ist daß Microsoft mehr Varianten seiner Office Suite in den verschiedensten Sparten hat, als jeder andere Anbieter. Es gibt so viele Produkte mit denen Office 97 mitkommt, daß man gar nicht mehr den Überblick darüber bewahren kann.

Microsoft bietet die Office Suite auch in Pakete wie die Home Essentials 97 an, die hauptsächlich auf Familien abzielt. Es wird Word 97 mit Works 4.0, Encarta 97, Greeting Workshop, jede Menge Spiele, und natürlich der Internet Explorer für $109 feilgeboten.

Und letzendlich laufen alle diese Applikationen auf der Windows 95 Plattform. Betriebssysteme sind ja nach wie vor der Goldesel von Microsoft.

Militärisch gesprochen war die Einführung von Office 97 ein Blitzangriff. Es war eine rauhe Erinnerung für Mitbewerber wie Lotus und Corel, daß das ganze Gerede in der Industrie über Internet und Konsorten Microsoft nicht von ihrem Kerngeschäft ablenken konnte. Während die Gates' crew Office 97 so entwickelt haben, daß das Internet integriert ist, ist es eigentlich noch immer Textverarbeitung und Tabellenkalkulationsprogramme, die sie verkaufen.

Bill Gates ist, wie wir schon oft gesagt haben ein Rattenfänger. Als sich jeder vom Internet Gerede dieses und letztes Jahr ablenken lies, hat er mit seiner Flöte wieder alle User mitgenommen. Er ist in der Tat ein Meister des Flötenspiels und die Melodie geht weiter.