
Liebe LeserDie Auguren haben den Kaffeesud schon weggeschüttet und die Kristallkugel der Damen mit dem Weitblick in die Zukunft ist wahrscheinlich auch schon wieder verräumt, aber was blüht uns wirklich 1997? Computerisch meine ich natürlich.Habe ich was Wichtiges übersehen, oder haben Sie von handfesten CeBIT-Trends gehört oder gelesen? Offenbar ist die Branche wieder an einem internen Sammelpunkt angelangt, von dem sie sich erst wieder zu neuen Ufern aufmacht, denn im Hintergrund rumort es ganz ordentlich. Microsoft und Intel, die jahrelang den Markt vorangetrieben haben, werden immer stärker bedrängt. Auf der Hardware-Seite werden die noch vor einem halben Jahr von vielen belächelten billigen NCs (Network Computer) immer interessanter und was die Browser-Technologie für den Software-Markt bedeuten kann, ist noch gar nicht zu Ende gedacht. Jedenfalls versucht Bill Gates die Hardware-Branche darauf einzuschwören, daß die beste Antwort auf einen billigen NC nur ein noch billigerer PC sein kann. Klar, ein NC kommt auch ohne Windows aus, ein PC noch nicht. Bill Gates unterstützt seine Sicht der Zukunft durch die Entwicklung eines 99 Dollar Kinder-Computers genannt Barney, der mit einem 2.000 Worte umfassenden Vokabular erst auf Englisch, aber sehr schnell auch auf Deutsch, Französisch uns Spanisch auf den Markt kommen soll. Die großen Computerhersteller sind ganz schön verunsichert, daß Microsoft nach ihren Töpfen schielt, denn aus einem 99 Dollar Kinder-Computer läßt sich ganz schnell ein 2 bis 300 Dollar Haushalts-Computer hochrüsten und dort ist der Markt der Zukunft. Einfach zu bedienende Geräte, die so problemlos handzuhaben sind wie eine Waschmaschine oder ein Geschirrspüler, sind gefragt. Auf diesem Markt gibt es noch keinen Anbieter und warum sollte Microsoft nicht der erste sein. Denn eine Erkenntnis hat die Wintel Allianz auch gebracht, daß die unterschiedlichen Interessenslagen eines großen Software-Herstellers mit denen eines großen Hardware-Herstellers nicht immer deckungsgleich sind und zu Zeitverzögerungen in der Entwicklung des Marktes führen. Microsoft will dem eine eigene Hardware-Schiene entgegensetzen und das ist der Grund für die Gäsehaut, die sich vielleicht auf dem Rücken der Bosse von Dell, Compaq oder der vielen anderen Firmen breitmacht. Aber auch Microsoft lebt nicht gefahrlos, denn mit Java ist etwas entstanden, das viel mehr als eine Programmiersprache ist. Mit Ende letzten Jahres programmierten weltweit über 200.000 Software-Entwickler mit Java, von denen mindestens 30 Prozent in Firmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern beschäftigt waren. Mitte letzten Jahres bildeten IBM, Cisco, Oracle, Netscape und andere einen Java-Pool, in den 100 Millionen Dollar Venture-Kapital zur Unterstützung neuer Java-Projekte eingebracht wurden. IBM ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat mit über 50 unabhängigen Software-Entwicklern das San Francisco Projekt ins Leben gerufen, um eine brandneue Linie von Business-Applikationen auf der Basis von Java auf die Beine zu stellen. In einem Interview mit einem angesehenen amerikanischen Computer-Magazin traf Scott McNealy, Aufsichtsratsvorsitzender und CEO von Sun Microsystems den Nagel auf den Kopf, als er ausführte, daß man aus den Fehlern mit UNIX gelernt hätte. Niemand sei für UNIX wirklich zuständig gewesen, keiner habe sich darum gekümmert, in welcher Richtung weiterentwickelt werden sollte, jeder hat sich seine Version genommen und daraus gemacht was er wollte. Das wird mit Java nicht geschehen.
Ja, wir sind die Eigentümer
der Java Specifications und jeder Entwickler kann sich darauf
verlassen, daß er seine Entwicklungen auf einer gut gewarteten
Java-Basis realisieren kann. Wenn man dem allen Glauben schenkt,
wird noch dieses Jahr eine wahre Lawine von brandneuer Java-basierter
Anwender-Software auf uns zukommen, die unabhängig von der
verwendeten Hardware oder des eingesetzten Betriebssystemes auf
jedem Rechner läuft. Und wer weiß, wie lange dann noch
echte Betriebssysteme notwendig sind, meint Ihr
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