Ich freue mich schon darauf, wenn meine Telefonnummer wieder im
öffentlichen Telefonbuch steht. Bis vor wenigen Jahren konnte
man meine Nummer dort auch finden, und es hat mir nichts ausgemacht,
gelegentlich von Unbekannten angerufen zu werden. Als meine Firma
aber immer größer wurde, schnellte die Anzahl der Anrufe
derart in die Höhe, daß ich mir eine Geheimnummer zulegen
mußte. Heutzutage bekomme ich bei weitem nicht mehr so viele
Anrufe wie früher. Wenn das Telefon läutet, hat der
Anrufer nicht selten eine falsche Telefonnummer erwischt. Die
meisten von uns können sich der Kommunikationsmenge gar nicht
mehr erwehren. Verkaufsleute telfonieren beim Mittagessen. Unsinnige
e-mails verstopfen unsere Mailboxes. Ungewollte Faxes türmen
sich. Wenn man einmal darüber nachdenkt, erscheint es eigentlich
ziemlich dumm, daß jeder der die Telefonnummer von einem
hat (selbst wenn der Anrufer sich nur verwählt hat), einen
mitten in der Nacht aus dem Schlaf reissen kann. Um sich gegen
ungewollte Anrufe abzuschirmen, überwachen manche Leute ihr
Telefon über einen Anrufbeantworter. Andere wiederum stecken
ihr Telefon in der Nacht gar ab, um ungestört zu sein. Wie
mühsam ist das doch alles!
Die einfachste Methode ist wahrscheinlich eine Geheimnummer, die man nur sehr selektiv weitergibt. In den U.S.A. sind fast 25% aller Telefonanschlüsse nicht im öffentlichen Telefonbuch angeführt. In manchen größeren Städten, in denen eine Geheimnummer nicht teuer ist, wie etwa in Los Angeles, sind es fast 75%. Viele Leute die Handys haben, halten diese Nummer auch geheim. Es hat jedoch auch Nachteile wenn man eine Geheimnummer hat. Falls ein Freund meine Telefonnummer verliert, kann er mich nicht erreichen oder wenn ein Notfall eintritt, bin ich möglicherweise nur sehr schwer erreichbar. Glücklicherweise wird es uns in Zukunft möglich sein, dieses Problem eleganter zu lösen, da es Technologien geben wird, um Kommunikation effizient zu filtern. Wir können so zurückgezogen oder so zugänglich sein wie wir wollen, da unsere Telefone und anderen Kommunikationseinrichtungen darüber wachen werden, welche Nachrichten wann zu uns durchdringen können. Unsere Bereitschaft, daß wir erreichbar sind, ist einerseits von der Tageszeit abhängig, aber andererseits ändert sich auch die Liste an Leuten mit denen wir kommunizieren wollen, täglich. Von wievielen Menschen möchten Sie spät nachts noch einen Anruf erhalten? Wahrscheinlich von sehr, sehr wenigen. Die Kommunikationssystem von morgen werden Ihnen die Entscheidung überlassen, wer Sie am Morgen, zu Mittag, am Abend und in der Nacht erreichen darf. Sie machen die Spielregeln. Sie werden entscheiden, daß sie eine bestimmte Person nur einmal zu einem gewissen Zeitpunkt zurückrufen kann, und daß sie vielleicht eine Nachricht auf Ihrer Voice Box hinterlassen darf. Sie werden einen einzigen elektronischen Briefkasten für gesprochene Nachrichten, Videos, e-mail, etc. Das ist auch ein Beispiel wie die Integration von PCs in den Haushalt das Leben vereinfachen wird. Leute, die gut mit Computern umgehen können, werden sehr komplizierte Filterungs-Mechanismen einrichten können, aber jedermann wird einfache Filter etwa für Notrufe nach Mitternacht eingeben können oder Anrufer die zurückrufen sollen immer durchgestellt werden. Manche e-mail Pakete Anwendungen, erlauben es schon den Benutzern Filter aufzustellen, nach denen die ankommenden e-mails bearbeitet werden können. E-mail von Ihrem Chef könnte etwa sofort groß am Bildschirm angezeigt werden, e-mail bei der Sie nur auf Kopie gesetzt wurden, könnte ans Ende der ankommenden Nachrichten gereiht werden. E-mail von bestimmten Absendern könnte mit einer höheren Priorität versehen werden, als die von unbekannten. Was aber, wenn Ihnen wirklich jemand eine Nachricht zukommen lassen möchte, und diese Person ist nicht auf Ihrer Liste? An diesem Punkt kommt ein wenig Kapitalismus ins Spiel. Es wird Ihnen möglich sein einen Preis festzulegen, den ein fremder Anrufer zahlen muß, um Sie erreichen zu können. Sie könnten etwa festlegen, daß Sie jeder untertags für einen Dollar erreichen kann. Ab 17 Uhr für 5 Dollar und nach Mitternacht für 25 Dollar, oder daß Sie zu einem gewissen Zeitpunkt niemand erreichen kann, außer wenigen Freunden und Behörden wie etwa der Polizei. Sie werden vielleicht weniger verlangen, wenn Ihnen Anrufer nur Voice Mails hinterlassen. Der Unterschied ist, daß Sie die Kontrolle haben und nicht die Person, die Sie anruft. Falls Sie jemand anrufen möchte und sie haben einen Preis dafür festgesetzt obliegt es dem Anrufer zu bestimmen ob ihm der Anruf das Geld wert ist. Von einem praktischen Standpunkt aus gesehen, heißt das, daß ein Teil des Geldes, daß heute für Werbung ausgegeben wird, um Sie über Aussendungen oder das Fernsehen erreichen zu können, in Zukunft in Ihre Tasche fließen wird. Selbstverständlich können Sie auch nach einem Gespräch noch bestimmen, daß das Gespräch gratis war, wenn Sie etwa froh sind, eine bestimmte Nachricht erhalten zu haben. Falls ein Unbekannter wegen eines Notfalls anruft, können Sie nach dem Gespräch durch Drücken einer Cancel Taste immer noch die Gebühren- verrechnung verhindern. Genauso werden Sie wahrscheinlich einem alten Studienkollegen nichts verrechnen, der versucht sie anzurufen. Andererseits, wenn Sie ein lästiger Vertreter mehrere Male hintereinander anruft, werden Sie das Geld für die Störung gerne annehmen, oder seine Anrufe vollständig blockieren. Eine angenehme Nebenerscheinung solcher Technologien ist die, daß Leute ihre Telefonnummern nicht mehr oft wechseln müssen, um ungewollte Telefonanrufe zu verhindern. Ich muß etwa meine Privatnummer immer dann wechseln, wenn sie jemand herausgefunden hat, von dem ich keine Anrufe möchte. Dann muß ich diese neue Telefonnummer aber wieder weitergeben, was sehr unangenehm und mühsam ist, sodaß ich es mir genau überlege, wenn ich meine Telefonnummer ändern lasse. Ein Kollege von mir muß seine Privatnummer ändern, da sie sehr ähnlich der Faxnummer einer Firma in der Nachbarschaft ist. Mindestens einmal im Monat bekommt er einen Anruf, bei dem ihm ein Faxgerät ins Ohr pfeift. Fax-Geräte geben aber leider nicht so schnell auf. Sie rufen meist solange zurück, bis sie eine Verbindung bekommen haben. Mein Freund muß daher entweder den Hörer neben dem Telefon liegen lassen oder sich auf weitere nächtliche Störungen gefaßt machen, wodurch er nicht mehr die Kontrolle über seine Telefonnummer hat. Leute die sehr viel unsinnige e-mail bekommen, sind in einer ähnlichen Position, falls Sie keine Möglichkeit haben diese e-mail zu filtern. Wenn man endlich die Kontrolle über seine Zeit und wie man unterbrochen werden will hat, können diese modernen Kommunikationssysteme richtig funktionieren. Wenn dieser Tag gekommen ist, wird meine Telefonnummer auch wieder im öffentlichen Telefonbuch stehen. |
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