
Kommunikation am Internet per e-mail und ein riesiges
rasch wachsendes Informationsangebot sind nur die offensichtlichen
Anwendungen für das weltweit größte Computernetzwerk,
die sich gerade formieren. Die Ableger der Internet-Technologie
könnten nach Meinung vieler Fachleute noch ganz andere ungeahnte
Dimensionen annehmen. In wenigen Jahren könnte jedes digitale
Gerät angefangen von Computern, Telephonen, Fernsehapparaten
und anderen Geräte des täglichen Gebrauchs mit dem Internet
verbunden sein. Vint Cerf, ein Entwickler des Kommunikationsprotokolls
am Internet, glaubt etwa, daß schließlich und endlich
sogar jede Glühbirne im Haushalt eine eigene Internet-Adresse
haben könnte, damit man sie über das Internet ein und
ausschalten kann. Diese Perspektive bringt das ohnehin schon chronisch
überlastete Internet arg in Bedrängnis, aber die Chancen
stehen gut, daß das Internet dieses riesige Datenvolumen
aushalten wird. Die Internet-Entwickler arbeiten bereits an einer
neuen Version des Internet Protocols (IP Version 6), die noch
dieses Jahr veröffentlicht werden soll. Mit dieser neuen
Version sollen nicht nur die Kapazitätsreserven des Internets
vergrößert werden, sondern es soll auch das Hantieren
von Multimedia-Daten verbessert werden, und es sollen die lange
vermißten Security-Funktionen ins Spiel gebracht werden.
Das neue Protokoll unterstützt 128 Bit -Adressen, die zu den herkömmlichen 32-Bit Adressen kompatibel wären und damit einen besseren Adressierungsmechanismus als jedes Telefonsystem bereitstellen. Etwas anschaulicher formuliert wäre es damit möglich, pro Quadratmeter Erde 1564 Internet-Adressen zu vergeben, im günstigsten Falle bei einer effizienten Allokation sogar über eine Million-Adressen. Wenn wir also auf der Erde bleiben und keine riesigen Weltraumkolonien gründen, dürfte fürs nächste einmal der Bedarf gedeckt sein.
Das neue Protokoll unterstützt auch ganz zeitgemäß die Plug und Play-Installation von Geräten, die nur temporär am Internet hängen, und zwar über alle nur denkbaren drahtgebunden und drahtlosen Verbindungen. Denken sie nur an die Möglichkeiten eines Internet-basierten Verkehrsleit- und Orientierungssystem. Das wäre ein Sache, die ich sofort mit Begeisterung annehmen würde, weil ich mich selbst mit dem schönsten Autoatlas noch immer hoffnungslos verirre.
Auch für die Übertragung von Multimedia-Daten wird einiges getan. Zeitkritische Datenpakete etwa bei der Übertragung von Sprache können mit einer hohen Priorität übertragen werden und haben dabei Vorrang vor anderen Datenpaketen, so daß diese Daten selbst durch verstopfte Datenkanäle zeitgerecht weitergeleitet werden können. Eine Videoübertragung kann etwa auf zwei Datenkanäle aufgeteilt werden, einer mit höherer und ein anderer mit niedrigerer Auflösung. Bricht jetzt etwa der mit der höheren Auflösung zusammen, so wird am anderen Ende lediglich ein leichter Qualitätsverlust bemerkt, aber die Wiedergabe wird nicht unterbrochen. IP Version 6 wurde auch mit Berücksichtigung auf Hochleistungs-ATM Netzwerke entwickelt, funktioniert aber auch gut mit geringen Bandbreiten etwa über drahtlose Übertragung. Da die Alternative zu dieser Entwicklung eine Reihe von interoperierenden Netzwerken mit Hersteller-spezifischen Netzwerken ist, bleibt nur zu hoffen, daß dieser Standard auch angenommen wird, aber es scheint ohnedies so, daß die Dynamik des Internets keine auch noch so große Firma am Markt durchbrechen kann, auch wenn das vor einem Jahr noch manche gedacht haben.
Noch viel unmittelbarer könnte das Internet die Telephonie umkrempeln. Telephonieren über Internet ist, wenn auch bei sehr schlechter Qualität, bereits Realität. IBM hat etwa angekündigt Produkte für die Internet-Telephonie zu entwickeln und wird schon erste Beispiele auf der CeBIT und der Computer Telephony Expo '96 in Los Angeles (die ebenfalls im März stattfindet) vorstellen. Auch die deutsche Telekom denkt bereits über den Aufbau eines nationalen Internet Telefonsystems nach. Internet-Telephonie ist aber schon möglich. Es gibt bereits mehrere kommerzielle Internet-Telefon-Packages für alle wichtigen Betriebssystem-Plattformen (Windows, Unix, OS/2 und Macintosh) ,bei dem die Gesprächspartner lediglich einen Multimedia-PC und eine Verbindung ins Internet (auch über Modem) benötigen, wodurch etwa das Gespräch mit dem Onkel in New York oder der Tante in Johannesburg zum Ortsgespräch durchgeführt werden kann, wie in Zukunft fast alles. Die deutsche Telekom hat sich bei ihrer langfristigen Gebührenstrategie schon etwas gedacht meint Ihr
Peter Wansch