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Online 1-99

Günstig weltweit telefonieren im Netz der Netze

Jetzt wird es ernst mit der Internet-Telefonie. Testversuche laufen in fast allen Ländern, auch bei der heimischen PTA. Als erster Anbieter ermöglicht RSL COM Austria ab sofort über sein österreichisches Internet-Gateway von einem herkömmlichen Telefon aus das weltweit größte "Voice over IP" -Netz von Delta Three zu verwenden, nicht direkt zum Ortstarif aber deutlich günstiger als herkömmliche Ferngespräche.

Stefanie Witta

Die hohen Telekom-Kosten in Europa machen das starke Interesse an Internet-Telefonie nur zu verständlich. Alle internationalen Prognosen deuten auf einen künftigen steilen Aufstieg der weltweiten Sprachvermittlung über Datennetze, die allerdings heute nicht mehr als 600 Millionen Dollar des 200 Milliarden Dollar umfassenden Telekommunikationsweltmarktes beträgt. So rechnet das Marktforschungsinstitut IDC (International Data Corporation) für das Jahr 2002 mit einem Umsatz aus Telefonaten über Datennetzwerke in Höhe von 21 Milliarden Dollar. 11 Prozent der weltweiten Ferngespräche werden dann mit Hilfe der Internetstandards bewerkstelligt werden. Aber auch eine Reihe anderer Anzeichen deuten in dieselbe Richtung. Seit geraumer Zeit wetteifern die großen Computerfirmen um die Gunst der Fernplauderer. Intel verteilt seine Telefonsoftware Freetel kostenlos im Netz, Microsoft lanciert sein NetMeeting zum Gratis-Download und Netscape hat seinen Cooltalk gleich in die neue Version 4.5 seinen Communicators integriert. Weltweit sehen Telefongesellschaften in voice-over IP ein zusätzliches Service, das sich künftig vermehrt in das Dienstleistungsgeschäft rund um Fest- und Mobilnetzwerke integrieren läßt. In den USA peilen die ersten Anbieter bereits den Massenmarkt an. So bietet etwa AT&T seit dem Frühjahr in den USA jedem Verbraucher von jedem Telefonapparat aus die Möglichkeit, landesweit über Internet-Leitungen des Carriers Ferngespräche für 7,5 bzw. 9 Cents pro Minute zu führen. Bis vor kurzem konnten jedoch Gespräche über das Web nur von PC zu PC geführt werden und auf beiden Pcs mußte dieselbe Software installiert sein. Dabei wurden die Sprachdaten mittels spezieller Verfahren im PC komprimiert und als Datenpakete in das Netz gesandt. Durch Zwischenschalten spezieller Server, die Datenformate umwandeln, sind nun auch Gespräche von Telefonapparat zu Telefonapparat möglich. Sie werden beim Empfänger nach demselben Algorithmus entschlüsselt und wieder in Sprachinformation umgesetzt. Allerdings leidet bei diesem Prozeß oft die Qualität der Sprachübertragung. So stellt neben den Konvertierungsverlusten die für das Internet typische Unvorhersehbarkeit der Netzbelastung ein Risiko dar. Die nicht kalkulierbaren Verzerrungen beim Transport der Datenpakete können immer wieder Verzerrungen der übermittelten Sprache verursachen. Die Telekom-Netzbetreiber investieren daher in allen Ländern erhebliche Summen in die Bereitstellung der technischen Infrastruktur. Die Entwicklung von internationalen Standards für die Sprachübertragung ist noch nicht sehr weit fortgeschritten. Ein universell anbietbares VoIP-Service setzt aber einheitliche Normen voraus. Intensive Bestrebungen des ETSI (European Telecommunication Standards Institute) im Rahmen des Projektes Tiphon (Telecommunication Protocol Harmonization Over Networks) sollen die Telekommunikations- und Internettechnologien harmonisieren. Inzwischen laufen weit gediehene Feldversuche für Internettelefonie auch in den deutschsprachigen Ländern, etwa bei der Deutschen Telekom oder dem UTA-Partner Swisscom in dessen Heimatland Schweiz. In Österreich probieren 200 Testanwender seit der heurigen Ifabo und bis zum Jahresende über das Datennetz zu telefonieren. Für Dieter Haacker, Geschäftsführer der Telekom-Internet-Tochter Highway 194 kam der große Ansturm von Testwilligen sehr überraschend, die guten Zwischenergebnisse zogen eine Erweiterung des Versuchs in Form eines EU-Projekts nach sich, das demnächst in ein Betriebsversuchsstadium übertreten werde. "1999 wird aber ganz im Zeichen einer Explosion von E-Commerce stehen, Internet-Telefonie wird erst im Jahr 2000 zum Hauptthema werden", bringt es Haacker auf den Punkt. Frisch von der Leber weg im Internet telefoniert wird dagegen bereits beim alternativen Verbindungsnetzbetreiber RSL COM Austria, der hierzulande auch schon ein eigenes Internet Gateway in Betrieb genommen hat. DI Dov Bar-Gera, oberster Chef von RSL COM Austria meinte dazu:"Es gibt Schätzungen, die besagen, daß bis zum Jahr 2000 bereits 10 Prozent oder sogar mehr des internationalen Telefonaufkommens -ein Markt von über 600 Mrd Schilling- über das Internet abgewickelt werden." Die Qualität der IP-Telefonie reiche schon heute für Privattelefongespräche aus und werde mit zunehmendem technischen Fortschritt laufend verfeinert. Daß die 1994 von Ronald S.Lauder in den USA gegründete RSL COM mit seiner Tochter Delta Three als erster Anbieter in Österreich Internet-Telefonie zur Verfügung stellt, kommt nicht von ungefähr. Delta Three ist ein Internet Telefonie Service Provider (ITSP), der das umfassendste Netz managt, das sich exklusiv auf den Transport von Voice over Internet Protocol konzentriert. Wo Delta Three noch über keine eigenen Internet Gateways aufgestellt hat, wird das traditionelle Festnetz der Muttergesellschaft RSL COM benutzt. Weltweit besitzt Delta Three 17% Marktanteil am gesamten IP-Telefonmarkt und gilt damit -gerechnet nach Gesprächsminuten- als zweitgrößter Anbieter in diesem Bereich. ---------------------------------------- <Text im Kasten> So telefonieren Sie über das Internet 1) Weltweit bei RSL COM Austria über das Gateway von Delta Three PC to Phone - bereits verfügbar Die von RSL COM Austria auf CD-ROM oder im Internet unter www.deltathree.com gratis zur Verfügung gestellte Software "Internet-Phone-Lite" wird auf dem PC installiert. Sie digitalisiert und komprimiert die Sprache in Datenpakete, deren jedes eine eigene Adresse erhält. Die Pakete werden über das Internet zum Gateway im Zielland geroutet und dort in das originale Sprachsignal rückkonvertiert. Der Anruf wird dann im Originalzustand über das lokale PSTN an das Zieltelefon weitergeleitet. Die Gebühren dafür sind von jedem Punkt der Erde gleich und erheblich günstiger als herkömmliche Festnetztarife. So liegen etwa die Gebühren für Telefonate innerhalb Österreichs in der Fernzone 2 zwischen 20 und 40 Prozent unter den gültigen PTA-Tarifen. Phone zu Phone (ab 1.1.1999 verfügbar) Dazu genügt ein herkömmliches Telefon. Der Anrufer wählt sich über eine bestimmte Telefonnummer in das lokale RSL COM-Netz ein, gibt seinen PIN-Code ein und danach die Rufnummer des Gesprächspartners. Das Gateway in Wien wandelt das Sprachsignal in digitale Datenpakete und leitet diese konvertierten Daten über das eigene, weltweite Delta Three-Netzwerk zum Gateway im angewählten Zielland, wo sie in Sprachsignale rückkonvertiert und an die angewählte Telefonnummer weitergegeben werden. Abgerechnet wird über eine vorausbezahlte "net card". Die von uns geführten Testgespräche nach Tirol und New York waren von einwandfreier Sprachqualität. 2) Bei der Telekom Austria (im Testversuch) Sie benutzen dabei ihr herkömmliches Telefon alternative ihren PC (passende Software zum Download auf der Homepage) und können jede österreichische Telefonnummer erreichen. Die Kosten betragen bei Aon Voice Trial mit PC oder Telefon 78 Groschen pro Minute; 47 Groschen werden für Internetverbindungen über Aon VOICE Trial verrechnet, wenn nicht telefoniert wird. Wie wir uns mit einem Testzugang überzeugen konnten, ist die Qualität der Sprachübertragung von Telefon zu Telefon gut. Die Verbindung war ein wenig aufwendig herzustellen. Nach Abheben des Hörers mußten wir eine zehnstellige AonVioce Gateway-Nummer wählen, nach dem Begrüßungstext der Telekom Austria die persönliche achtstellige Zugangsnummer eingeben und dann die gewünschte Rufnummer mit Vorwahl eintasten. Den Abschluß bildete die *-Taste und schon meldete sich unser Kollege in Innsbruck. (wit) -------------------------------------------------


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