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Internet-Provider lösen Telefonfirmen ab

Die traditionellen Telefongesellschaften von AT&T bis zur heimischen Telekom verlieren in den nächsten Jahren rapide an Bedeutung, während die Marktmacht der großen Internet-Diensteanbieter (Internet Service Provider, ISP) von AOL bis PSINet drastisch steigen wird. Das ist eine zentrale Aussage des jüngsten Reports "Telecom Reconstructed" der Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Forrester Research.

"Ähnlich wie die Automobilindustrie weltweit die großen Eisenbahngesellschaften in ihrer Bedeutung überflügelt hat, werden schon bald die Internet Service Provider die Führungsrolle in der Telekommunikationsbranche übernehmen", heißt es in dem Forrester-Bericht. Während die Telefonfirmen in den nächsten fünf Jahren lediglich um 5 bis 10 Prozent pro Jahr beim Umsatz zulegen werden, wird sich das Geschäft der Internet-Dienstleister in diesem Zeitraum jedes Jahr um 100 Prozent und mehr verdoppeln, prognostizieren die Auguren.

Nach Einschätzung der Marktforscher werden die ISP immer mehr Services anbieten, die in direktem Wettbewerb mit den Telefongesellschaften stehen. Als Beispiele nennen die Auguren Intranets und Extranets für die Firmenkommunikation sowie Faxverkehr über das Internet, wie er heute schon von den beiden größten Business-ISP, PSINet und UUNet, offeriert wird.

Internet-Telefonie als Renner

"Ab 1998 oder spätestens 1999 wird Internet-Telefonie zum großen Rennen werden", sind sich die Marktbeobachter sicher. Hinzu käme eine steigende Nachfrage nach neuen Telekommunikationsdiensten wie elektronische Post (E-Mail), World Wide Web, Electronic Commerce, Rundfunk und später auch Video on Demand via Internet, bei denen die ISP von Anfang an die Führungsrolle inne hätten, schreibt Forrester-Analyst Christopher Mines.

Allein im Internet-Handel der Firmen untereinander soll schon in fünf Jahren ein Geschäftsvolumen von über 320 Milliarden Dollar erwirtschaftet werden, wagen die Marktbeobachter eine Prognose, und fügen eine weitere hinzu: 2002 sollen weltweit mehr als 5 Milliarden E-Mails zugestellt werden - pro Tag.

Telekom: Umsatz-einbrüche bis 30%

Zwar würden die neuen Dienste zu einer kurzfristigen Zunahme der Verkehrslast bei den TK-Carriern führen, aber schon ab dem Jahr 2002 sagt Forrester Research den Telefongesellschaften Umsatzeinbrüche um bis zu 30 Prozent voraus.

Wenig Chancen räumen die Auguren dem Versuch der Telefonfirmen ein, sich selbst zu Internet Service Providern zu wandeln.

Die Begründung: Die Marktbedingungen im Telekommunikationsmarkt ändern sich durch das Internet derart grundlegend, daß die "Telecom-Riesen" nicht schnell genug reagieren könnten. Während die Telefongesellschaften bisher Innovationen nur in Jahres- oder gar Jahrzehntzyklen gewohnt seien, werde das Innovationstempo im Internet in Monaten gezählt.

Zudem seien die Telefonnetze grundsätzlich auf 1-zu-1-Verbindungen ausgelegt (eine Person telefoniert mit einer anderen), während das Internet von vornherein für Multipunktverkehrsströme optimiert sei. Außerdem würde die oligopolistische Struktur der Telefonfirmen die Preise der herkömmlichen Netze künstlich hochhalten und damit die Internet-Dienstleister zu Alternativen zwingen.

So habe PSINet bereits mit der Installation eines eigenen Internet-optimierten Glasfasernetzes in den USA begonnen, das 1998 nach Europa weitergeführt werde, weiß Forrester.

Deregulierung wird Trend nicht stoppen

Die Deregulierung des Telefonmarktes in Europa werde den Trend in Richtung der Internet Provider nicht aufhalten, sind sich die Auguren sicher.

Die neuen privaten Carrier würden sich "entgegen aller Vernunft" am Geschäftsmodell der ehemaligen staatlichen Monopolisten orientieren und sich damit konsequent als Telefonfirmen statt als Internet-Dienstleister am Markt aufstellen. Einzig den Citycarriern wie Colt räumt Forrester Wachstumschancen ein - vorausgesetzt, sie schwenken rechtzeitig auf High-Speed-Internetservices um.

Für die "guten alten Telefonfirmen" sieht Forrester Research hingegen nur noch einen Ausweg: Fokussierung auf Entwicklungs- und Schwellenländer. Immerhin besitze die Hälfte der Welt noch keine Infrastruktur zum Telefonieren. In den Industrieländern würden die bestehenden Leitungsnetze - in zehn Jahren oder so - bestenfalls noch die unsichtbaren Geleise für die ISP-Züge darstellen, die dann mit Volldampf den Internet-Verkehr der Kunden befördern, zieht Forrester Research einen bildlichen Vergleich.

Zudem dürfen die Telefonfirmen auf eine kleine Gruppe von Konsumenten hoffen, die vom Internet verschont bleiben wollten und denen ein einfacher Telefonanschluß für den Notfall genüge; "viele werden das nicht sein" mutmaßt Forrester.

Weitere Informationen:

Forrester Research Inc., 1033 Massachusetts Avenue, Cambridge, MA 02138, Tel. 001/617/497-7090, Fax: 001/617/868-0577, Internet:http://www.forrester.com


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