
Multimedia UsabilityDer Trend zu Multimedia - was immer man damit genau meint - hat sich definitiv etabliert, wenn auch ohne eine eigene Disziplin in der Forschung, die sich damit beschäftigen würde und damit ohne Rückhalt, was Planung und Entwicklungsmethoden betrifft.Dr. Martina Manhartsberger Multimediale Systeme wachsen wie Schwammerl aus dem Boden, keine Disziplin fühlt sich für das Gesamtkunstwerk zuständig und so sind die Ergebnisse meist technologiegetrieben statt benutzerorientiert und zeichnen sich, wenn, dann meist durch Spitzenleistungen in einem einzelnen Bereich, z.B. der Graphik aus, nicht aber als Gesamtkonzept. Was ist Multimedia?Selten ist die Frage nach der Begriffsklärung so notwendig wie beim Begriff "Multimedia". Ursprünglich stammt der Begriff ja aus dem künstlerischen Bereich, wo die Verbindung mehrerer Kunstrichtungen (bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz) zu einem Gesamtkunstwerk als "Multimedia" bezeichnet wurde. Danach widerfuhr dem Begriff das Schicksal, daß sich immer wieder neue Inhalte für die gleiche Bezeichnung ergaben. Heute wird der Begriff meist mit Software auf CD, z.B. Lernsysteme (Computer Based Training) und Informations- und Retrievalsysteme in Zusammenhang gebracht. Manchmal wird aber auch der Rechner selbst als multimedial bezeichnet, wenn die Ausstattung die Wiedergabe multimedialer Daten erlaubt. Die universale MaschineEigentlich ist Multimedia nur ein Schritt auf dem Weg zur universalen Maschine, die den Menschen versteht und mit dem Menschen kommunizieren kann. Die jetzige Mensch-Maschine Kommunikation ist ja noch immer dürftig. Zwar haben sich die Interaktionsmöglichkeiten im Vergleich zu textbasierten, kommandoorientierten Systemen (die es immer noch gibt) bereits entscheidend verbessert, aber trotzdem hapert es noch vielfach mit der Verständigung. Man denke nur daran, wie oft eine Eingabe NICHT das Ergebnis liefert, das man erwartet, der Computer einen also mißverstanden hat. Überhaupt sind eine Tastatur und eine Maus ja nicht gerade Instrumente, die der Mensch schon seit alters her zur Kommunikation verwendet. Sie sind nur Krücken für die Verständigung mit dummen Computern. Viel besser könnte sich der Mensch durch Sprache und Gestik verständlich machen. Und umgekehrt würde der Mensch den Computer besser verstehen, wenn dieser mehr Ausdrucksmöglichkeiten hätte. Und diese Anforderungen führen uns hin zur Forderung nach mehr und neuen Kommunikationskanälen und Medien - zu multimedialen Systemen also, die im Endeffekt das Ziel der universalen Maschine haben, mit der zu kommunizieren genauso einfach ist wie die Kommunikation von Mensch zu Mensch. Technologie statt Benutzer- und ZweckorientierungWie so oft hat sich die multimediale Technologie aber nicht dahin entwickelt, die vom Menschen gestellten Anforderungen zu erfüllen, sondern produzierte vor allem technologiegetriebene Ergebnisse, die umgesetzt werden, weil es MÖGLICH ist, sie umzusetzen. Aspekte wie Didaktik, Regie, Komposition, Dramaturgie, Benutzerschnittstelle und Navigation bleiben in den Methoden des Softwareengineering oft unberücksichtigt. Da hochauflösende Graphik möglich ist, sind Multimediasysteme oft graphik- und designgetrieben statt einfach bedienbar und interaktiv. Natürlich muß das kein Gegensatz sein, aber leider wird eben der multimediale Gedanke hier oft so mißverstanden, daß Graphik, Sprache und Video exzessiv und planlos eingesetzt werden, wodurch das Ergebnis überladen und unbedienbar wird. Multimedia und UsabilityFür die Usability Disziplin wurde Multimedia vor allem wegen der breiten Verbreitung zum Thema. Dadurch ergibt sich eine breite Benutzergruppe, nicht nur Experten, sondern jeder soll das Multimediasystem verwenden können. Usability muß also zum Thema werden, wenn sich die Multimediasysteme verkaufen lassen sollen.
Für Softwareergonomen hat Multimedia nicht viel Geheimnisvolles an sich, weil sie es gewohnt sind, interdisziplinär zu arbeiten und sich die Disziplin schon immer mit allen Formen der Mensch-Maschine-Kommunikation beschäftigt hat, Multimedia also nur ein neuer Begriff aber kein neuer Inhalt war. Wahrscheinlich wird daher auch relativ wenig über Multimedia Usability publiziert, weil die Methoden, um Multimediasysteme bedienungsfreundlich zu machen dieselben sind, wie bei jeder anderen Softwareentwicklung auch. D.h. schon während der Entwicklung des Systems werden Prototypingtechniken eingesetzt und Prototypen mit Benutzern evaluiert. Im allgemeinen verkürzt diese Vorgangsweise auch die Entwicklungszeit, weil sehr früh feststeht, wie die Oberfläche aussehen soll und späte Änderungen, die meist teuer sind, vermieden werden können.
Vom Designaspekt her bieten sich für Multimediasysteme oft besonders gut Metaphern an. Und zwar von der Technologieseite her, weil hochauflösende Graphik, Video, Animation etc. eingesetzt werden können, die es ermöglichen, Metaphern, das sind meist Repräsentationen der realen Welt, auch realistisch darzustellen. Ein weiterer Grund für den Einsatz von Metaphernwelten bei Multimedia sind die Anwendungsgebiete, meist eben Lern- und Informationssysteme, für die sich vom Inhalt her schon realistische Abbildungen anbieten. Der Hauptgrund allerdings sollte eigentlich sein, daß die Verwendung von Metaphern beim GUI-Design auch ganz allgemein eine Verbesserung der Usability bringt. Metaphern ermöglichen es dem Benutzer durch Erkennen und Wiedererkennen von Dingen, die es auch in der Realität gibt, Einlernzeiten verkürzen und die Akzeptanz erhöhen. Metaphern sollten daher auch in anderen Bereichen, d.i. für ganz "normale" Software vermehrt eingesetzt werden. Natürlich werden Metaphernwelten oft einfach deshalb eingesetzt, weil sich das graphische Erscheinungsbild im Verkauf besser macht. Es einfach "irgendwie" zu machen reicht aber nicht, wie man oft am Ergebnis sieht, Metaphern können auch falsch eingesetzt werden und schaden dann mehr als sie nützen. Kontakt: Dr. Martina Manhartsberger Interface Consult Tel. + 43 1 204 86 50 Fax + 43 1 204 86 54 Hirschstettnerstr. 21 1220 Vienna, Austria mm@interface.co.at http://www.interface.co.at |