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Hardware 10/98

HP Omnibook Sojourn

"Traum-Buch"

Trotz ständig wachsender Leistung werden Notebooks von einer Generation zur nächsten immer flacher und leichter. Ob - beziehungsweise welche - Abstriche gemacht werden müssen, um wirklich tragbare Computer zu erhalten, dieser Frage geht ein persönlicher Testbericht von Peter Zanner nach.

Peter Zanner

Wenn schon unser Chefredakteur, der ja wirklich schon so einiges gesehen hat, ein Gerät als "Objekt der Begierde" bezeichnet, dann darf man gespannt sein, was einen beim Auspacken wohl erwartet. Und tatsächlich: Das HP Omnibook Sojourn ist zur Zeit das flachste Notebook der Welt und mißt in der Höhe gerade mal 18 Millimeter. Nur 1,45 kg Gewicht machen den Flachmann zudem zu einem der leichtesten vollwertigen PCs, die je gebaut wurden.

Da ja nun selbst IBM für seine Notebooks mit der Eitelkeit der Anwender wirbt, sei auch hier nicht verhohlen: Angeben kann man mit dem Sojourn allemal, noch ohne überhaupt das Display zu öffnen. Insbesondere Fachleuten läßt sich so manch neidisches Stöhnen entlocken, während die langarmigen Außendienstmitarbeiter mit ihren Schlepptops gar nicht glauben wollen, was da alles so reinpaßt.

Und das ist Technik vom Feinsten: Eine 233 MHz mobile Pentium CPU mit MMX (Tillamook) sorgt für flottes Arbeiten, und die 2 GB große Festplatte verkraftet notfalls die gesamten Datenbestände kleinerer Firmen. Zugegeben, das ist nicht ganz dasselbe wie in den zur Zeit allerschnellsten A4-Rechnern, aber dazu ist der Sojourn auch nicht gebaut. Kompromißlose Gewichtsreduktion ist das Ziel, und die wurde nicht zuletzt durch das Weglassen von Dingen erreicht, die ohnehin kaum ein Prozent der Anwender auch nur nutzen könnte.

Zur Leichtigkeit des Sojourn-Seins tragen weiters das ultra-flache Display sowie das aus Magnesium gefertigte Gehäuse bei. Letzteres wird sich in dieser Klasse wohl trotz der teuren Verarbeitung durchsetzten (müssen). Darüber hinaus wurden Floppy-Disk, CD-ROM Laufwerk sowie Lautsprecher in die sogenannte Multimediaeinheit ausgelagert, die dafür schon standardmäßig mitgeliefert wird.

Wer's unterwegs wirklich braucht, kann dieselbe einfach unter das Notebook klemmen, um z.B. eine Multimediapräsentation von der CD laufen zu lassen; dafür sind zusätzliche 1,38 kg Gewicht fällig. Hier sind auch alle dem "nackten" Gerät fehlenden Schnittstellen untergebracht, wie Monitor-, Tastatur- und Mausanschluß sowie der unverzichtbare USB-Hub.

Die Magnesium-Büchse selbst enthält den IrDA-Port zur drahtlosen Kommunikation, zwei PC-CardBus Schächte - aufgrund der niedrigen Verhältnisse nebeneinander und daher nur für Typ 2 geeignet -, Kopfhörerausgang und einen weiteren USB-Port. Ein Mikrofon ist eingebaut. Leider wird dessen Kapazität wohl kaum für moderne Spracherkennungs-Software ausgelegt sein; wäre doch nett, etwa bei einer Konferenz, leise Notizen direkt in den Rechner zu diktieren...

Nun, statt dessen stehen wie immer Tastatur und Mauspad als Eingabemedien zur Verfügung. Die Tasten sind übrigens gut angeordnet und lassen sich leicht auch "blind" finden, ohne die nebenliegenden dabei mitzudrücken. Dieser zunächst sogar sehr gute Eindruck relativiert sich aber stark durch den mangelnden Hub der Tasten, sodaß oft nicht ganz klar ist, ob nun ein Anschlag stattgefunden hat oder nicht. Na ja, man kann nicht alles haben, in nur 18mm Höhe. - Persönlich ziehe ich zwar einen Trackpoint allen Mauspads vor, da hiermit eine präzisere Steuerung möglich scheint, aber wer daran gewöhnt ist, wird mit dem gegebenen gut zurechtkommen, zumal die Empfindlichkeit ja einstellbar ist.

Das 12,1 Zoll große TFT-Display bietet trotz superflacher Ausführung erstklassigen Kontrast und einen sehr großen Ablesewinkel, zumindest horizontal: Man kann bequem zu dritt nebeneinander sitzen, ohne die Köpfe zusammenstecken zu müssen. Zwar entsprechen 800x600 Pixel auch nicht ganz dem in dieser Preisklasse ansonsten Üblichen, dafür werden extern bis zu 1024x768 in Hi-Color abgeliefert.

Einer der schwächsten Punkte des Sojourns ist zweifellos die Batterielebensdauer. Trotz Li-Ion-Akku sind eindreiviertel Stunden das Maximum im Vollast-Betrieb. Das 300 Gramm schwere Netzteil sollte man also möglichst immer dabeihaben, sicherheitshalber. Für gutes Geld gibt's allerdings ein zusätzliches Akku-Pack, das wie die Multimediaeinheit direkt unter das Gerät geschnallt wird und die Lebensdauer bei voller Ladung vervierfachen soll. Selbst ein dreilagiger "Sandwich" ist möglich, bei dem der Akku dann ganz unten zu liegen kommt. Insgesamt ist das Paket dann zwar dicker als die meisten anderen Notebooks, aber ein Multimedia-PC mit sieben(!) Stunden Batterielebensdauer ist ja auch nicht gerade alltäglich.

An Software wird von Windows95 und einer sogenannten Recovery-CD abgesehen nichts mitgeliefert, was die Benutzung der eigenen, gewohnten Terminplaner und sonstigen Programme erlaubt. Allerdings läuft im Moment nur ein englisches Win95 als Betriebssystem, erst Mitentwickler Mitsubishi will eine deutsche Variante unter dem Namen Pedion auf den Markt bringen. Dafür gibt es fixierbare Tastaturschablonen in mehreren Sprachen, so daß des englischen Unkundige sich trotzdem nicht zu fürchten brauchen.

Das mehrsprachige Handbuch zum Gerät ist kurz, aber gelungen. Klare Beschreibungen sorgen für einfaches Verständnis. Als besonderes Schmankerl wird noch ein eigenes Heftchen zum Thema Ergonomie am Computerarbeitsplatz mitgeliefert, letzteres aber leider nur in Englisch.

Persönlich würde ich das HP Omnibook Sojourn jedem PDA vorziehen, trotz der anderen Gewichts- und Größenklasse: es macht ganz einfach mehr Spaß, und es ist ein vollwertiger Computer mit all dessen vielfältigen Möglichkeiten. Schreibmappe und Terminplaner bringen zusammen auch nicht viel weniger Gewicht auf die Waage, zumindest subjektiv. Der Preis könnte vielleicht noch eine Rolle spielen... (er beträgt knapp über 100.000,- öS inkl.MwSt.)

In jedem Falle zeigen uns HP und Mitsubishi mit dieser Studie, wie die Notizbücher der Zukunft aussehen könnten: Noch leichter, immer flacher, und das Gewicht ist kaum noch der Rede wert, trotz reichlicher Leistungsreserven.


Bezugsquelle:
Hewlett Packard
Tel. 01/25 000-0

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