homepage heftinhalt header
Software 10/98

Rechenzentren und Client/Server:

Die optimale Verbindung?

Verteilte Rechnerarchitekturen wurden als "die" Lösung für Legacy-Systeme bejubelt - die Bearbeitungszeiten sollten verkürzt und die Anwender somit zufriedengestellt werden. Aber ist man der optimalen Nutzung der Unternehmensressourcen dadurch wirklich näher gekommen?

Den IT-Managern ging es natürlich in erster Linie um die in Aussicht gestellten Kostenreduktionen. Der steigende Einsatz von Desktop-Systemen hat die Mainframe-Server aber nicht in dem erwarteten Maße entlastet, wie neue Untersuchungen des weltweit agierenden IT-Beratungsunternehmens Compass Analysis zeigen: Im Gegenteil, die Arbeitslast der Mainframes ist sogar meist angestiegen.

Schaut man hingegen auf den allgemeinen Kostentrend für den Betrieb eines Rechenzentrums, so kann man hier genau das Gegenteil beobachten. Trotz gestiegener Arbeitsleistung gingen die Kosten merklich zurück. Die Einheitskosten für die stets wachsende Anzahl von Desktop-Systemen sinkt hingegen nur langsam. Die Gesamtkosten der IT sind also nicht im erwarteten Maße gesunken - in einigen Fällen sind sie sogar gestiegen.

Der Durchschnittspreis pro 1.000 CPU-Sekunden, die dem Anwender zur Verfügung gestellt wurden, ist von 5,1 US-Dollar (1994) auf 1,4 US-Dollar (1997) gesunken. Die durchschnittliche Rechenzentrumsbelastung hat sich in der gleichen Zeit beinahe verdoppelt - von 8 Millionen CPU-Sekunden/Monat (1994) auf über 15 Millionen CPU-Sekunden in 1997. Die durchschnittlichen Jahreskosten sanken jedoch von 13,6 Millionen Dollar auf nur 6 Millionen US-Dollar.

Kostenanstieg im Client/Server-Bereich

Die gleichen Unternehmen verzeichneten jedoch einen deutlichen Anstieg ihrer Kosten im Client/Server-Bereich. Wurden 1994 noch 4.400 US-Dollar Jahreskosten pro Client veranschlagt, so sind diese zwar bis 1997 auf 3.300 US-Dollar gesunken. Da sich die durchschnittliche Anzahl eingesetzter Clients allerdings lawinenartig von rund 2.000 auf mehr als 4.000 Stück vermehrt hat, führte dies dennoch zu einer Kostenexplosion von 6,4 Millionen (1994) auf 16,1 Millionen US-Dollar (1997).

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Große Mengen einfacher Terminals (sogenannter "Green Screens") wurden durch voll funktionsfähige PCs ersetzt und mit Applikationspaketen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, elektronischen Kalendern (und anderem mehr) ausgestattet. Der vermehrte Einsatz von Business-Applikationen (wie Finanzsoftware, Auftragseingangsroutinen, Personalverwaltung, Fertigungsprozeduren) stellt aber auch höhere Anforderungen an die Datenverarbeitung und Verteilungsroutinen, was wiederum zu einer erhöhten Arbeitsbelastung im Rechenzentrum führt.

Trotz komplexerer Transaktionen wurde gleichzeitig Wert auf gesteigerte Benutzerfreundlichkeit gelegt, und damit wurden wesentlich aufwendigere Computingprozesse dem Rechenzentrum abverlangt.

Mehr Produktivität durch Client/Server?

Wenn nun Client/Server-Systeme nicht im erwarteten Umfang zu Kostenreduktionen geführt haben, so sollte man doch wenigstens auf eine erhöhte Produktivität bauen können. Nur wenige Unternehmen verfügen jedoch über die Mittel, Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz von Client/Server-Technologien im eigenen Haus nachzuweisen. Wertsteigerungen ergeben sich immer noch am offensichtlichsten durch den Einsatz von Business-Applikationen, die wiederum aus Sicherheitsgründen zentral und nicht verteilt eingesetzt werden.

Auch die Kostenrechnung hilft hier nicht weiter, da die Budgets im ganzen Unternehmen verteilt sind und damit kaum zentral kontrolliert werden können. System Management Software in diesem Bereich ist im Gegensatz zum Rechenzentrum noch nicht voll ausgereift und Systeme zur automatischen Erfassung und Verteilung von PC-Inventories (eingesetzter Software) sind noch teuer und müssen ständig optimiert werden. Best Practises ergeben sich erst durch die Erfahrungen einer Handvoll innovativer Unternehmen, die bereits früh den Einsatz proben.

"Thin Clients": die Lösung?

Auch der "Silberstreifen" am Horizont von unternehmensweiten IT-Lösungen, die "Thin Clients", ist hinsichtlich Kostensenkung trügerisch. Sie eignen sich am besten zum Ersatz der "Green Screens" oder zum Beispiel bei Call-Centern, wo nur eine begrenzte Menge von Applikationen schnell zur Verfügung gestellt werden muß.

Die eigentliche Frage muß also lauten: "Warum werden so viele persönliche und Workgroup-Applikationen einer Belegschaft zur Verfügung gestellt, die diese nicht wirklich braucht?" Laut Compass ist es entscheidend, die Ursache für Kosten in allen Bereichen verteilter Rechnerarchitekturen zu überprüfen und einen positiven Beitrag zum Unternehmensergebnis sicherzustellen.

Die erfolgreichen Unternehmen werden nach Aussage von Compass diejenigen sein, die den Einsatz von zentralen und verteilten Architekturen basierend auf Einheitskosten und Beitrag zum Unternehmenserfolg optimieren. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn die IT-Anforderungen auf die Key-Performance-Indikatoren des gesamten Unternehmens abgestimmt und Methoden implementiert werden, die ein Management von Effizienz und Effektivität des Einsatzes von IT erlauben.

Detaillierte Informationen bei Compass Deutschland GmbH., Tel. 0049-6122/921 40-0.


index heftinhalt footer