
Kunst aus der Region ins InternetEine zukunftsweisende Kooperation zwischen internationalen Künstlern, der Region Niederösterreich Süd und der EU fand vor kurzem in den Gemeinden rund um Bad Fischau statt. Als EU-Projekt der Leader II Region "Schneebergbahn - Hohe Wand - Steinfeld" waren zwanzig internationale Künstler aus acht Ländern eine Woche lang in regionalen Gewerbebetrieben zu Gast.Adolf Hochhaltinger
Die dort arbeitenden Menschen könnten dem Künstler bzw. der Künstlerin bei der Arbeit zusehen - hautnah. Die Künstler konnten in dieser Zeit ihre Eindrücke, Beobachtungen und Empfindungen zum Thema "Mensch und Arbeit in der Region" sammeln und künstlerisch umsetzen. Alle in dieser Zeit entstandenen Werke wurden dann in einer Ausstellung zusammengestellt, die im Schloß von Bad Fischau noch für einige Zeit gezeigt wird. Als Werke waren Bilder ebenso zulässig wie Skulpturen, Konzept- und Rauminstallationen. Bewertung via Internet![]() So weit der künstlerische Teil, doch nun kommt das Internet ins Spiel: Alle Werke wurden mit einem digitalen Fotoapparat festgehalten und in die "Artvillage"-Homepage gestellt (http://www.artvillage.co.at/). Nun war es den Mitgliedern der Jury - weiteren internationalen Künstlern und Kunstexperten - möglich, via Internet auf diese Information zuzugreifen und die geleisteten Arbeiten zu bewerten. Die Juroren gaben auch ihre Wertungen per Internet ab. Um hier eventuelle Störungen durch allzu geschickte Hacker zu verhindern, wurden die Namen der Jurymitglieder bis zum Ende der gesamten Bewertung geheimgehalten. Die Ergebnisse kamen auch postwendend binnen einer Stunde herein, dann konnte der zuständige Staatssekretär Dr. Wittmann den drei besten Künstlern je ein Ehrendiplom überreichen. Zur allgemeinen Überraschung wurden es gleich vier Preisträger, verursacht durch einen Punktegleichstand auf Platz 3. Die Preisträger![]() Den dritten Preis teilen sich zwei Künstler: Ann Limnos und der österreichische Maler Heinrich Walcher. Dieser hat sich einer kahlen Feuerschutzmauer im Schwimmbad von Bad Fischau angenommen und diese in das Ambiente des denkmalgeschützten Thermalbades einbezogen. Die Wand wurde so gestaltet, daß man sie nicht mehr als Wand wahrnimmt, sondern den Farbübergang vom grünen Efeu zum strahlend hell in Goldgelb und Weiß leuchtenden Zentrum als Blickfang und als Fenster in die Unendlichkeit verstehen könnte. Die Wertung der Juroren: Platz 3. Ann Limnos hingegen hat (unter dem Motto: "Kunst aus dem Bauch - in den Bauch") ein eßbares Gemälde geschaffen. Es zeigt in zwei Feldern zu je 60 × 80 cm Menschenköpfe mit aufgerissenen Mündern, entsprechend der endgültigen Bestimmung dieses Kunstwerkes. Aus Mehl, Zucker und ein wenig Lebensmittelfarbe entstand so ein appetitlich duftendes Kunstwerk, das im Laufe des anschließenden Künstlerfestes von den Kreativen ebenso wie von den Organisatoren mit Genuß verspeist wurde. Die Juroren vergaben, wohl gleichermaßen für das Werk wie für die originelle Idee, ebenfalls Platz 3. ![]() Den Titel "Der Windkamm" trägt eine Gemeinschaftsproduktion von Luka Anticevic und Grete Bauer. Es ist eine Plastik aus Stahl, die 120 cm hoch ist und immerhin 170 kg auf die Waage bringt. Die Künstler wollen damit "das Recht des arbeitenden Menschen auf Kunst visuell definieren und dadurch mit dem erworbenen Recht kulturelle Verantwortung teilen". Der Name "Windkamm" soll auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen versöhnlichen Umganges mit der Natur sowie auf eine längst überfällige Korrektur der Wertvorstellungen in unserer Leistungsgesellschaft hinweisen. Die Jury bewertete das Werk auf Platz 2. Eine Holzarbeit in der Größe von 250 × 188 cm verbindet das Material Holz mit alten bäuerlichen Werkzeugen aus der Region und weist so auf die traditionelle Arbeit der Bauern hin. Der Künstler ließ sich hierzu durch die Umgebung von Bad Fischau anregen, in der "die Äcker wie eine Patchworkdecke in der Landschaft liegen und sich bis an die Berge erstrecken. Wie überall in der Welt ist auch hier die Gestaltung der Landschaft die erste Form von Kultivierung gewesen. Das Land wurde von den Menschen mit solchen Werkzeugen bearbeitet." Auch der Titel "LAND * WIRT * SCHAFT" unterstreicht diese Aussage. Die Jury war einverstanden und vergab Platz 1.
Die Reaktion der Bevölkerung auf diese Veranstaltung war durchwegs positiv, unter anderem auch deshalb, weil für das gesamte Projekt keine staatlichen Unterstützungen benötigt wurden. 80 % der finanziellen Mittel stammen von der EU, die restlichen 20 % wurden von privaten Sponsoren aufgebracht. FazitGerade solche Veranstaltungen illustrieren eine der großen Vorteile des Internet: Unabhängig von der geografischen Lage steht die aktuelle Information jedermann/frau in gleicher Art und Weise zur Verfügung. Der Vorteil des zentralen Standortes, der bislang viele - darunter nicht nur Künstler - zwang, nur wegen des Informationsflusses in der ungeliebten Großstadt ansässig zu bleiben, gehört für Internet-Nutzer(innen) schon heute vielfach der Vergangenheit an. |