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Hardware 10/98

Epson: Photos wie gedruckt

Epson behauptet sich schon seit Jahren als einziger Hersteller von Tintenstrahldruckern mit Permanent-Druckköpfen auf Piezo-elektrischer Basis. Insbesondere beim Farbdruck holt sich die Firma damit regelmäßig gute Noten. Die neuen Modelle "Stylus Color Photo 640" und "Stylus Color Photo 740" runden die Drucker-Pallette in Richtung fotorealistischer Druck ab.

Peter Zanner

Mit nur geringfügig höheren Preisen im Vergleich zu den Zwillingsmodellen "Stylus Color 600" beziehungsweise "Stylus Color 700" versucht der Hersteller nunmehr, all jene zu locken, die sich mit dem Gedanken an einen spezialisierten Fotodrucker herumschlagen. Letztere sind zwar in derselben Preisklasse wie diese beiden Drucker angesiedelt, liefern aber üblicherweise nur Bilder in Foto- beziehungsweise Postkartengröße und sind damit nicht als Universalgerät tauglich. Demgegenüber hält Epson mit vollem A4-Format auch als Korrespondenzdrucker alle Trümpfe in der Hand - sofern die zu Papier gebrachten Ergebnisse das halten, was die Werbung verspricht.

Und das tun sie, gleich vorweggenommen. Auf dem speziell dafür entwickelten Hochglanzpapier in höchstmöglicher Auflösung gedruckte Bilder und Fotos kann beinahe nur mehr ein Profi aus dem grafischen Gewerbe von "echten" Fotos unterscheiden. In gleicher Qualität erhältlich sind zudem Karten im Format 10x15cm (4x6 Zoll) mit zusätzlichem perforierten Rand. Nach abtrennen der äußeren Kanten erhält man somit vollständig kolorierte "Fotos" beziehungsweise Postkarten. Und für Liebhaber von Landschaftsbildern und ähnlichem bietet Epson ein eigenes Panoramaformat mit den Maßen 210 x 594mm an, also ein fast doppelt langes A4-Format. Sozusagen als Nonplusultra an Qualität gibt's dann noch den "Photo Quality Glossy Film". Allerdings zu heftigen Preisen: Bei gut 500,- öS für nur 15 Blatt kann man schon ins Grübeln kommen... - Zum Vergleich: Das erwähnte "Photo Quality Glossy Paper" kostet etwa öS 180,- per 20 Blatt im A4 Format.

Aber auch auf Normalpapier liefern beide Drucker exzellente Bilder. Zwar ist es eindeutig nicht empfehlenswert, Fotos oder dergleichen auf Normalpapier zu drucken, aber Briefpapier, Logos und ähnliches bewältigen beide Drucker sozusagen im Vorübergehen. Und weil das wohl eine sehr häufige Anwendung sein dürfte, gibt's auch dafür spezielles Papier: "Photo Quality Inkjet Paper" (ca. 200,- ös/100 Blatt A4). Insbesondere für fein gezeichnete Bilder in der Auflösung 1440 x 720dpi bringt dieses Material deutlich bessere Ergebnisse als Normalpapier.

Apropos Auflösung: Beide Modelle können sowohl Schwarz als auch Farbe in dieser Qualität ausgeben. Damit schlagen sie zur Zeit die meisten anderen Tintenstrahler um Längen und dringen in die Bereiche höherwertiger Laserdrucker vor.

Speziell für die Familie hat Epson noch zwei weitere Medien im Angebot, die mit den Color Photo Geräten bedruckt werden können. Zum Ersten sind da die Photosticker, sicher eine Freude für Kinder. Und dann noch Folien, die man zum Beispiel auf T-Shirts aufbügeln kann - nach dem Druck, sinnvollerweise. Auch dafür gibt es viele vorstellbare Anwendungen, welche hier aber der geneigten Phantasie des Lesers überlassen bleiben.

Unterschiedliche Philosophien...

Nebeneinander stehend sehen sich die beiden Modelle so ähnlich, daß man sich unwillkürlich fragt, wozu denn gleich zwei Drucker mit identischen Leistungsdaten? Auch ein Blick "unter die Haube" offenbart keinerlei Unterschiede, sofern man die Geräte nicht gerade aufschraubt. Dennoch sind die Zielgruppen deutlich verschieden, wie sich noch zeigen wird. Zur Information zwischendurch: Es gibt auch noch das Modell 440 in derselben Reihe. Dieses richtet sich an echte Einsteiger, bietet "nur" 720x720dpi Auflösung und wird hier nicht weiter besprochen.

Der Stylus Color Photo 640 richtet sich am ehesten an Heimanwender mit gehobenen Ansprüchen an die Druckqualität. Wie die im Vergleich zum "größeren Bruder" etwas kleinere schwarze Tintenpatrone zeigt, ist er in erster Linie zum (Photo-)Farbdruck gedacht. Zur Erinnerung für Laien: Dunklen Farbtönen muß ein wenig Schwarz zugesetzt werden, damit die Farben am Papier "richtig" aussehen. Für die farbige Ausgabe setzen beide Tintenstrahler dieselben Druckpatronen ein: drei Farben in einem kombinierten Tank.

Die mitgelieferte Software unterstreicht den Eindruck eines Familiengerätes zusätzlich. Mit "Epson Print Adventure" kommen selbst Kinder mit wenigen Mausklicks zu schnellen Ergebnissen. Fertig auf der CD gibt es dafür eine Unzahl von Rahmen, Cliparts u.s.w. Daß das Programm manchmal nicht in allen Punkten völlig durchdacht wirkt, mag man der Versionsnummer 1.0 vergeben.

Für die Größeren liegt "Corel Magic Printhouse" in der Lieferschachtel. Hiermit gelingen Einladungen, Faltbroschüren, Briefpapier und vieles mehr auf Anhieb. Wie bei Corel üblich, gibt's dazu noch viele Tausende Cliparts, Dutzende von Schriften und massenweise Vorlagen für die verschiedensten Anlässe. Selbst Türschilder wurden nicht vergessen, die, an die Schnalle gehängt, den Anderen sagen, was man gerade nicht will...

Speziell für das anvisierte Marktsegment bietet der 640er tatsächlich unglaubliche Qualität im Farbdruck und insbesondere im Fotodruck. Das ist offenbar der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Piezo-Technologie von Epson zu verdanken, welcher ja auch die hohe Auflösung zu verdanken ist. Doch auch die Software trägt ihren Teil dazu bei, teils im Drucker-Firmware genannt -, teils in Form von neuen Treibern (für Windows3.x, 95, 98, NT 4.0). Letztere können insbesondere dem Grafiklaien helfen, noch ein Quentchen mehr aus den eigenen Bildern herauszuholen. Auf diese Druckertreiber kommen wir später nochmals, da beide Geräte damit ausgeliefert werden.

Für flächigen Farbdruck sollte man übrigens immer für unidirektionale Ausgabe sorgen (in der Treiber-Software), selbst bei niedriger Qualität der Ausgabe (360x360dpi), weil ansonsten deutlich sichtbare Streifen entstehen.

Der einzige Schnitzer, den Epson sich mit diesem Drucker meiner Ansicht nach erlaubt hat, besteht in der unverhältnismäßig schwachen Ausgabe von Schriften (bei höchster Qualitätsstufe). Um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Besser als ein durchschnittlicher 300dpi-Drucker ist der 640 durchaus noch. Aber bei all der leistungsfähigen Firmware/Software ist es dennoch erstaunlich, warum das Rendern von Schriften nicht ebensogut klappt wie die Verbesserung von Fotos und Bildern.

Der Familiendrucker arbeitet recht beschaulich, trotzdem der Hersteller eine Zeit von bis zu 3 Seiten pro Minute angibt (Textmodus, 360dpi). Allerdings wird dieser Wert wohl kaum jemals in realen Anwendungsfällen auftreten. Stört aber nicht weiter, für das durchschnittliche Seitenaufkommen einer "normalen" Familie reicht es allemal. Interessanterweise scheinen im Gegensatz zur Geschwindigkeit die Angaben zum Tintenvorrat eher zu pessimistisch auszufallen, zugunsten des Anwenders. Ohne exakten Standardtest bleibt dieser Eindruck allerdings ein persönlicher und sollte nicht als Kaufargument aufgefaßt werden.

...und andere Werte...

Das Zielpublikum des Stylus Color Photo 740 findet sich eher im sogenannten "Small Office/Home Office" (SOHO-) Bereich. Der auf das doppelte vergrößerte schwarze Tintentank bietet größere Reserven auch für den Korrespondenzdruck. Neben der parallelen Schnittstelle gibt es standardmäßig zusätzlich einen USB-Anschluß, und selbst eine serielle Steckverbindung wurde nicht vergessen. Zusammen mit den eingebauten - teilweise skalierbaren - Schriftarten kann somit selbst ein Unix-Rechner Verbindung zu dem Epson Drucker herstellen, und für den Apple Macintosh werden Treiber mitgeliefert.

Doch auch im Inneren tummeln sich etwas andere Werte. Daß trotz des äußeren Anscheins hier eine unterschiedliche Technik zum Einsatz kommt, geht nicht nur aus den Datenblättern hervor, sondern ist sogar deutlich hörbar. Eine echte Besonderheit ist der Druckkopf, der die Tintentröpfchen in drei verschiedenen Stärken auf das Medium bringen kann. Für einen Drucker dieser Preisklasse ist das einzigartig, und sorgt auch für bessere Qualität. Ganz besonders bei Fotos ist noch eine Steigerung sichtbar, wenn man sehr genau schaut: Hautfarben wirken noch ein wenig gleichmäßiger, Farbübergänge ein bißchen weicher, und manch feine Nuance kann besser zum Tragen kommen. Zudem scheint diese Technik auch den Schriften zugute zu kommen, die der 740er ebenfalls deutlich besser zu Papier bringt als der 640.

Es scheint fast erstaunlich, daß der Drucker trotz besserer Qualität auch noch merklich schneller druckt als das kleinere Pendant. Bei Ganzseiten-Farbdruck um ca. 30-40%, steigert er sich bei der Textausgabe gleich auf das doppelte Tempo.

Anstatt der Home-Software legt Epson diesem Gerät Adobe's "PhotoDeluxe BE" (Business Edition) bei. Das ist technisch betrachtet ein direkter Abkömmling von Adobe's Photoshop, dem Werkzeug der Bildbearbeitungs-Profis; sogar dieselben Filter werden benutzt. Anstatt sich allerdings in eine komplexe Menüstruktur einzuarbeiten, von der man nach wochenlanger Lernzeit ohnehin keine zehn Prozent benutzt, gibt es hier eine Schritt-für-Schritt Anleitung, die mit wenig Aufwand schnell zu brauchbaren Ergebnissen führt. Der Bildschirm ist nicht überfrachtet, jeder Schritt wird von kurzen, verständlichen Hilfemeldungen begleitet. Weitergehende Hilfe ist ebenfalls verfügbar, und wer sich mit dem Programm erst einmal auskennt, kann optional die langen Menüs einschalten, um so schnellstmöglichen Zugriff auf alle gebotene Funktionalität zu erhalten. Zu guter Letzt steht der Preis in keiner Relation zu Photoshop...

...trotz Familienähnlichkeiten

Beiden Geräten gemeinsam ist eine zweistufige Anzeige der noch vorhandenen Tinte, getrennt nach Schwarz und Farben. So kann man bei Bedarf schon einen neuen Tank einsetzen, wenn die Anzeige zur Warnung blinkt, um nicht unnötig teures Papier zu verschwenden.

Wie schon erwähnt kommen beide Modelle mit derselben Druckersoftware. Zunächst ist da einmal der Epson Status Monitor zu nennen. Eigentlich nur ein weiterer Spooler wie der schon mit dem Betriebssystem mitgelieferte Druckmanager, bietet das Programm zusätzlich eine Anzeige des Füllstandes der Tintentanks. Letzteres ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da die drei Farben nicht unterschieden werden. Andererseits scheint die Software die Anzeige immer der Farbe mit dem geringsten Inhalt anzupassen, so daß es immerhin keine schmerzlichen Überraschungen gibt, selbst wenn ausschließlich mit einer einzigen Farbe gedruckt wird.

Anders als der Druckmanager füttert der Status Monitor die Drucker fast permanent mit Daten, ohne deswegen das Gesamtsystem sonderlich zu belasten. Ersteren kann man zwar auch auf höhere Priorität stellen, aber damit ist andere Arbeit nebenbei nur mehr schwer möglich. Nur bei sehr heftigen Plattenzugriffen - Starten von Word, etc. - setzen die Maschinen manchmal kurz aus. Die zusätzliche Anzeige der noch ausständigen Zeit für den aktuellen Job ist beim 640 völlig wertlos, beim 740 leidlich genau, aber auch nicht wirklich ernst zu nehmen.

Besonders interessant ist der eigentliche Druckertreiber ausgefallen. Zunächst wären da zwei zusätzliche Fähigkeiten zu nennen, die mit vielen Standardprogrammen nur schwer zu realisieren sind, wenn überhaupt: der Druck von Wasserzeichen (natürlich auch farbig) hinter der eigentlichen Seite, und die Möglichkeit, Papier zu sparen, indem zwei (quer) oder vier Seiten auf ein Blatt Papier gedruckt werden. Dabei ist es sehr empfehlenswert, zunächst die README-Datei im Epson Verzeichnis zu lesen, damit es nicht zu Mißverständnissen kommt.

Des Weiteren verfügt der Treiber über eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Bilder, die an den Drucker gehen sollen, noch einmal "nachzubearbeiten". Konkreter gesagt handelt es sich um verschiedene Möglichkeiten des Farbmanagements für verschiedene Anwendungszwecke, ein Feature, das es besonders Laien sehr leicht macht, farbliche Feinabstimmungen vorzunehmen, ohne sich mit den Kennlinien des Druckers herumschlagen zu müssen.

Die beiden Varianten "ICM" und "sRGB" sind für jene Fachleute vorgesehen, welche die Möglichkeit haben und imstande sind, die Farbabstimmung aller Geräte - Monitor, Scanner, Drucker - exakt aufeinander abzustimmen. (Image Color Matching ist das unter Windows standardmäßig verwendete Verfahren.) Dazu kommt PhotoEnhance 3, ein Verfahren, das versucht, speziell für Fotodruck eine geeignete Farbkorrektur durchzuführen. Und das gelingt tatsächlich ziemlich gut. Natürlich wird ein schlechtes Foto davon auch nicht besser, aber immerhin kann man mit dieser Methode sogar beim Druck noch die Schärfe erhöhen (!). Außerdem gibt's "Sepia"-Farben, was den typischen Effekt von gealterten "Großelternbildern" hervorruft - ganz ohne Bildbearbeitungsprogramm!

Bleiben zu guter Letzt noch einige allgemeine Einstellungen, denen man weitere hinzufügen kann. "Leuchtende Farben" z.B. sorgen für einen satteren Farbauftrag; mit "Benutzerdefiniert" kann man den Zugewinn jeder Farbe einzeln per Schieberegler einstellen, und "Kein" Farbmanagement tut genau, was es verspricht: nichts.

Fazit

Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei beiden Druckern in ihrer (Preis-) Klasse unübertroffen, wenn man sich die Qualität der Farb- beziehungsweise Fotoausdrucke vor Augen hält. Der Epson Stylus Color Photo 740 liefert hier noch ein wenig bessere Bilder als der "kleine Bruder" 640, bei gleichzeitig höherem Tempo. Zusammen rechtfertigt dies allein schon den - ohnehin nur geringfügig - höheren Preis. Dazu kommen zusätzliche Schnittstellen sowie eine gute Bildbearbeitungssoftware.

Den 640er wird man wohl am häufigsten im "Bundle" mit einer kompletten Computer-Erstausstattung antreffen, obwohl bei knappem Budget auch ein Einzelkauf durchaus empfehlenswert ist. Er kostet rund 3.290,- öS inkl.MwSt.

Der 740 gehört zur Zeit zum Besten, was man für annähernd so wenig Geld an Farbdruckern kaufen kann. Der 740er kommt auf rund 4.390,- öS inkl.MwSt.

Und: Wer ernsthaft darüber nachdenkt, sich einen spezialisierten Fotodrucker zuzulegen, sollte sich unbedingt vorher diese beiden Geräte ansehen.


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